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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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allenthalben auf örtliche Sagensammler anregend 4. Und das Gebiet derbildenden Kunst, eigentlich das der Gebrauchsgraphik, lieferte gleichzeitigSerien von Kupferstichen von Volkstrachten, auch von Volksbräuchen, be-sonders Hochzeitsbräuchen, die als besonders markant angesehen wurden,so daß sich der wohlhabende Reisende etwa anhand derartiger Veröffent-lichungen auf sein Reisegebiet vorbereiten konnte. Ein Beispiel dafür stelltdas Büchlein von Johann Heinrich Fischer Beschreibung der Hochzeits-und Heiratsgebräuche fast aller Nationen" dar, das 1801 in Wien erschienenist 5. Und darin findet sich bereits ein Kapitel über die Egerländer Hoch-zeit, in welchem charakteristische Stücke wie der Brautmantel, der Braut-kranz und der Plunderwagen erwähnt werden. Solcher Text- und Bildver-öffentlichungen hat es damals mehr gegeben, und man hat sich zweifellosnicht nur in Wien, sondern auch in Weimar und in Eger ihrer bedient. Dietatsächliche Anschauung der Bräuche und Trachten war dadurch sicherlichbereits etwas vorgeformt.

Was die mündlichen Überlieferungen betraf, so kannten im wesent-lichen sowohl die Egerer Stadtbürger wie die Landbauern alles, was davonin ihrer Gegend erzählt wurde. Naturdenkmalerklärende Sagen wie die vondem dräuenden Felsen des Hans Heiling wurden im Postwagen jedem er-zählt, der nach Karlsbad fuhr. Auf diese Weise hat sicherlich auch derDichter Theodor Körner davon Kenntnis bekommen, der 1813 zur Kur dortwar und ,, Hans Heilings Felsen, eine böhmische Volkssage" in Form einerNovelle schrieb 6. Manche andere Dichter sind ihm nachgefolgt 7, undHeinrich Marschner hat darauf 1833 seine Oper Hans Heiling" aufgebaut.Aber damals gab es längst, seit 1814/1815, die beiden Bände der, Deut-schen Sagen" der Brüder Grimm, durch die derartiges Sagengut besonderseindringlich verbreitet werden sollte. Die Brüder Grimm haben übrigensauch eine von Körner abweichende Fassung der Sage gebracht 8. Ungefährzur gleichen Zeit, da Körner nach Karlsbad fuhr, sammelte der Lehrer undKantor Karl Kraus in Lobs bei Falkenau und in umliegenden DörfernVolkslieder. Was er 1816 zusammenschrieb, mag auf die Anregung durch

Alfred Richli, Johann Karl August Musäus. Die Volksmärchen derDeutschen( Zürcher Beiträge zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte,Bd. 13), Zürich 1957.

5 Johann Heinrich Fischer, Beschreibung der Hochzeits- und Heirats-gebräuche fast aller Nationen. Wien 1801.

Das Kapitel über die Egerländer Hochzeit exzerpiert von Alois John( Unser Egerland, Bd. X, 1906, S. 219 ff.).

Theodor Körner, Hans Heilings Felsen. Eine böhmische Volkssage( in:Körners Werke, hg. Auguste Weldler- Steinberg. Bd. I, Berlin o. J., S. 223–235).7 Johann Hahn, Hans Heiling in Sage und Dichtung( Unser Egerland,Bd. IX, 1905, S. 36 ff.).

8 Die deutschen Sagen der Brüder Grimm. Hg. Hermann Schneider.Berlin o. J., Bd. I, Nr. 329, S. 255, und Nr. 32, S. 50.

Hans Gückelhorn, Karl Kraus und seine Volksliedersammlung( Unser Egerland, Bd. XXV, 1921, S. 65 f.).

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