Druckschrift 
Volkskundliches aus Italien : Österreichisches Museums für Volkskunde, Schloßmuseum Gobelsburg, Sonderausstellung ; Katalog
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

kurzbeinigen Tisch und der niedrigen hölzernen Wiege. Sitzge-legenheiten fehlten zur Gänze, der Mann hockte auf seinemPferdesattel, die Frau auf der Erde. Als Heizung gab es denoffenen Küchenherd oder eine Glutpfanne. Diese kleinen Wärme-geräte aus den verschiedensten Materialien, wie Ton, Kupferund Eisen waren nicht nur auf Sardinien und die Inseln be-schränkt, sondern auf dem ganzen Festland verbreitet.

Der große Wert, der dem Küchenhausrat beigemessen wurde, fin-det seinen Ausdruck in der Vielfalt und im Reichtum der Formenund Materialien: in den weit verbreiteten kunstvoll getriebenenKupferkesseln, die in Venetien und in der Lombardei, wo mantäglich Polenta kochte, das wohl wichtigste Küchengerät waren;in den Gefäßen aus Zinn; in den rund gedrehten Holzbehältern;den geflochtenen Körben; in der kunstvoll bemalten Keramik.In der Ausstellung ist die grün- gelb- orange glasierte kalab-rische Terrakotta aus Seminara ebenso vertreten wie die fürMittel und Norditalien typischen Krüge mit der gekniffenenSchnauze, die Krainer Krüge mit dem Doppeladler ebenso wiedie für die venezianischen Provinzen charakteristischen Tellermit Allegorien der Jahreszeiten beziehungsweise Monate.Eine hohe Altertümlichkeit kennzeichnet das von EmmerichPrettenhofer in Sardinien aufgesammelte Arbeitsgerät. Sardi-nien war Mitte der zwanziger Jahre noch ein Rückzugsgebietvon Sitte und Hausrat. 60% der Fläche war Weideland, das fürdas Hirtenleben besonders geeignet war. Das wichtigste Erzeug-nis war der Käse, mit langgestielten Löffeln wurde er gerührt;als Formen wurden runde Schüsseln aus Kastanienholz oderKörbe benützt. Nur 30% der Fläche war Ackerland, das Getreidewurde noch von Ochsen und Pferden ausgetreten. Getreide undund Gras wurden mit gezähnten Sicheln geschnitten, die Finger

10