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Sonderausstellung Schmuck aus Haaren : Österr. Museum f. Volkskunde ; Hauptgebäude Wien, Gartenpalais Schönbrunn ; Kat
Entstehung
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VORWORT

Die Sonderausstellung" Schmuck aus Haaren", die gemäß einer nunschon vieljährigen Tradition des Österreichischen Museums fürVolkskunde" im Rahmen der Veranstaltungen zum" Tag der offenenTüren der Bundesmuseen in Wien" am österreichischen National-feiertag, dem 26. Oktober 1981, eröffnet worden ist und bis insFrühjahr 1982 in einem zusätzlich für Ausstellungszwecke adap-tierten Schauraum der Öffentlichkeit zugänglich bleibt, ist einweiteres Ergebnis einer langfristig angelegten Neubearbeitungsämtlicher Sammlungsbestände in Hinblick auf den Aufbau syste-matisch- typologischer Studiensammlungen zur österreichischenVolkskunde. Frau Dr. Gudrun Hempel fällt bei diesemProjekt insbesondere die Aufarbeitung des volkstümlichen Schmuckeszu, aus welchem Sammlungsgebiet sie die Gruppe des" Schmuckesaus Haaren" zuerst geordnet, sammlerisch ergänzt, neuerlich be-schrieben und nunmehr gliedernd und erläuternd dargestellt hat.Die Qualität der Körperlichkeit von Haaren läßt dem mensch-lichen Haar mehrfache Wertung und Anwendung zuteil werden, welchesich trotz verschiedentlicher Überschneidungen nach folgendenBedeutungskreisen gliedern lassen: Liebesgaben, Geschenke undSchmuck aus und mit Menschenhaaren, Erinnerungsbilder, Erinnerungs-blätter(" Stammbuchblätter"), Totengedenkbilder, KünstlerischeHaarstickereien, Andachtsbilder, Votivgaben. Die gegenständlichenund literarischen Bezeugungen zeigen überdies, daß durchdauerndeTraditionen des Haarglaubens und des Haargebrauches epochen-weise Aktualisierungen und Stilisierungen erfahren. Diese Wandel-barkeit und Wiederkehr der Geltung von Haar tritt auf Grundunseres Sachbefundes insbesondere mit den Tendenzen der Ver-bürgerlichung und des Individualismus im frühen 19. Jahrhundertdeutlich hervor, aus welcher Zeit denn auch die" Gründlichen An-

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