26
Liebe
79
Ein großer Teil der in den traditionellen volkskundlichenKollektionen versammelten und in der Tat von Laienkünstlerngefertigten Volkskunstartefakte verdankt seine Existenz derLiebe. Die Volkskunde verlieh daher solchen Gegenständen-Geschenke Liebender- die Bezeichnung„ Liebesgaben". Daßsich hinter diesen kunstvollen Objekten nicht nur Anmut ver-birgt, sondern auch das Pathos individueller Geschichte wirddabei schnell übersehen und ist auch selten wirklich überlie-fert.
Auf Ostereier gemalte und geschriebene Liebeserklä-rungen verteilte in den zwanziger Jahren- so die Überliefe-rung zu dem gezeigten Stück- das weibliche Almpersonal inBad Goisern nach der langen Trennung des Almsommers anFreunde und Geliebte. Die dabei verwendeten Sprüche warenbekannt und finden sich etwa auch auf den bei den Zeitge-nossen beliebten Bildpostkarten. Hingegen macht die liebe-voll persönliche Gestaltung der Eier den individuellen Cha-rakter der Geschenke aus.
Bereits kurz nach der Jahrhundertwende, aber im städ-tischen Milieu des gebildeten Kleinbürgertums, entstand dasausgestellte Blumenklavier. Als Verlobungsgeschenk einesLehrerpaares rückt es eine gemeinsame Leidenschaft der bei-den in den Mittelpunkt: Das klavierspielende Paar- und auchnoch seine Tochter, die es dem Museum für Volkskunde über-gab- verwahrte die„ Liebesgabe" zeitlebens als Andenken.
bt