pots und Stellflächen der Häuser mit Ausstellungsbehelfenunnötig belastet. Dabei hat gerade die aufwendige- weil aufdie einzelne Ausstellung, wenn nicht gar das einzelne Objekthin gefertigte- Gestaltung eine sinnvolle Wiederverwendungin anderen Präsentationen oft ausgeschlossen. Und Abneh-mer für individuelles und gebrauchtes Ausstellungsgut wa-ren nicht nur kaum zu finden, sondern auch selten wirklichim Sinn der Gestalter und Kuratoren, weil die Form- undMaterialsprache allzusehr mit einmaligen Ausstellungser-eignissen verbunden war. Die Displays der Sonderausstellung,, Sach- Geschichten" bestehen hingegen aus Recyclingmaterialund können nach Gebrauch- sofern sie nicht wie Gläser undEinzelelemente weitere Verwendung finden werden- ohneBedenken der Wiederverwertung zugeführt werden.
Der Gedanke, mit möglichst geringem materiellem Auf-wand die Idee der Ausstellung zu unterstreichen, zieht sichdurch die gesamte Präsentation- bis hin zur einfachenGlühbirnenbeleuchtung. Er spiegelt sich auch in der Gestal-tung dieses Begleitbuches, in dem etwa versucht wird, dieObjekte in thematisch gruppierten und inhaltlich motivier-ten Schwarzweißaufnahmen zusammenzufassen( dabei aberalle Exponate abzubilden); und er steht auch hinter dem Kon-zept des graphischen Designs für die Ausstellungstexte undObjektbeschriftungen.
Sammeln und Deuten
Die Gründerzeit war die große Zeit des musealen Sam-melns. Die meisten Museen erwarben die Mehrzahl ihrer Ob-jekte noch vor dem Ersten Weltkrieg. Heute herrscht in denMuseen- und insbesondere in den kulturwissenschaftlichen,mit den Realien des Alltags befaßten, weniger in den Kunst-museen- große Ratlosigkeit in Bezug auf das Sammeln.³ DieBeschleunigung des gesellschaftlichen und zivilisatorischenWandels, die immer schneller, immer mehr möglicherweiseBewahrenswertes mit sich bringt4, hat viele Museen über-haupt resignieren lassen. Sie sind mit der Verwaltung undBearbeitung ihrer von früheren Generationen als kulturellesErbe deklarierten Kollektionen zu Genüge beschäftigt.
Systematische Sammelstrategien wurden von denkulturwissenschaftlichen Museen nur in Ausnahmefällen ent-wickelt. Man nahm, was gestiftet wurde oder zumindest dieschmalen Ankaufsbudgets nicht allzusehr strapazierte. Wenngezielt erworben wurde, dann meist, um ältere Lücken zuschließen. Die Gegenwart und jüngere Vergangenheit wurdekaum ins Auge gefaßt. Wo dies mit Konzept geschah, etwa inden meist in den siebziger und achtziger Jahren gegründetenindustrie- und arbeitsgeschichtlichen Museen oder in Insti-