Druckschrift 
Die Teufellitteratur des XVI. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
147
Einzelbild herunterladen
 

ÖFFENTLICHES LEBEN.

147

Der Verfasser zeigt, mit welchen Namen die tyrannischenRegierungen in der heiligen Schrift bezeichnet werden, er weistauf die schrecklichen Folgen hin, die stets am letzten Ende derObrigkeit selbst nur Schaden bringen. Freilich glaubt er,das Volk verdiene durch seine Sündhaftigkeit oft selbst dieQuälereien der Grossen. Das Tier, so meint er zusammenfassendzum Schluss, erfülle seine Pflicht weit besser als der Mensch.Da lerne doch vor der Kuwe dich schämen, du vnflätige,wilde, unvernünftige Sauw, so du nicht von deinem Herrn vndHeyland lernen wilt, als ein Christen zu leben" 1).

99.

In die Sphäre des Schrapteufels gehört auch der ältesteder Teufelgesellschaft, der ,, Hofteufel"). Über das Lebenseines Schöpfers, des Johann Chryseus, ist uns keine einzigebestimmte Nachricht erhalten, und wir müssen uns mit derAnnahme begnügen, dass er in irgend einem Allendorf, wo erdie Dedikation seines Dramas und zwei Jahre später dieVorrede seiner Übersetzung des Naogeorgschen Haman datierte,vielleicht in Hessen, gelebt hat und dort nach seinem Prosa-Stil, der den geübten Kanzelredner verrät, Pfarrer war ³).Zu Sachsen hat er jedenfalls intimste Beziehungen ge-habt, indessen mit dem 1545 in Wittenberg nachgewiesenenStudenten Johann Chryseus aus Fraustadt 4) kann er nach derUnterschrift seines Hofteufels, ,, Datum Allendorff am tag Joh.Bapt.( also d. 24. Juni) Anni 44" nicht identisch sein 5).

Sein Schauspiel behandelt die Geschichte des ProphetenDaniel nach dem 6. Kapitel, einen Stoff, der durch dieSchilderung der Errettung aus höchster Gefahr durch den

¹) 356E.

2) ,, Hofteufel. Das sechste Kapitel Danielis den Gottfürchtigenzu trost, den Gottlosen zur warnung. Spielweiss gestellet vnd in Reimenverfasset durch Johannem Chryseum". Cf. Goed.2 II. 361. Im Th. D.als No. 19: A, 5152-530; B. 4422-4552; CI.( No. 14) 271-2832.3) Scherer ADB. 4. Bd.

-

4) Scherer ZfdA. 20, 196 Anm.:,,Johann Chryseus Fraustadtensis"wurde am 18. III. 1545 unter die ,, pauperes gratis inscripti" gesetzt.

5) Holstein, Die Reformation im Spiegelb. d. dramat. Litt. d. 16. Jh.S. 103 hält es trotzdem für möglich.

10*