Druckschrift 
Die Teufellitteratur des XVI. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

THEOLOGISCHES.

129

seinem Busen von natur einen vngehewern greslichen mönch."Oben im linken Armel sieht ein Jesuit, unten ein Philosophheraus. Aus dem rechten Ärmel ragt oben irgend ein Wieder-täufer, und unten Münzer selbst mit einem Schwert hervor,zugleich als Repräsentant aller, die sich zusammen rottirenn,vnd wollenn mit der klingen dran vnd das bapstumb mitt derFaust angreiffen, es sey nichts mitt dem Luther, der dasaget: Gladio verbi, baculo labiorum et ore infantum."Vielleicht ist dabei an Hutten und seine Bestrebungen ge-dacht. Die beiden Füsse, der Bockshuf und die Greifen-klaue, kann der Teufel nicht verbergen, sie kennzeichnen ihntrotz seines Mönchsgewands und trotz des Heiligenscheines,der seinen Kopf umschwebt 1).

-

Einen ganz merkwürdigen Dämon schuf sich CasparFaber von Mellerstadt ,, Farinopolitanus", wie er sichstolz darnach nannte, der zu Deystingen auf dem Eichs-feld in der kurzen Zeit, wo dort die Luthersche Lehreherrschte, Prediger war. Schon 1582 eroberte der ErzbischofDaniel von Mainz die Landschaft, die zu seinem Gebiet ge-hörte, mit Hilfe der Jesuiten dem Katholizismus zurück,aber für die kurze Blüthe, die der Protestantismus dort er-lebte, setzt unser Pfarrer ein Denkmal. Er schrieb, wideralle Heuchler vnd Werckheiligen auff dem Eichsfeld" eine,, Einfeltige vnd kurtze Erinnerung vom Sab-bathsteuffel" 2), in dem er alles personifizierte, was diegesetzmässige Befolgung der Vorschriften für die Feier desSabbaths oder vielmehr des Sonntags hinderte. Die Vorredeist 1567 unterzeichnet, und wir haben also die erste Ausgabewohl auch in dies oder das nächste Jahr anzusetzen, währenddie früheste bekannte Auflage 1572 gedruckt ist.

Faber erweiterte sich sein Thema, indem er schliesslichseine Strafpredigt auf alle Sünder ausdehnte, weil sie ja amFeiertag wider das göttliche Gebot handeln und so den Sab-

1) Siehe u. S. 203 f.

2) o. O. 1572. Im Th. Diab. B, 465-491; CII 292-314%.

9