3. Wirtshausleben.
Saufteufel Spielteufel Tanzteufel Fluchteufel Faulteufel.
-
99
-
-
,, Vnser deudscher Teufel wird ein guter Weinschlauchsein und muss Sauff heissen", hatte Luther gesagt, und mitdem Kampf gegen das ,, Nationallaster" der Trunksucht hatteFriederich 1551 den Krieg der Pastoren gegen den Sataneigentlich begonnen. Er fand hier den Boden bereits geebnet.Denn seitdem in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bereitsder ,, Weinschwelg" und die Wiener Meerfahrt" vom Weingesungen und die realistische Darstellung wüster Gelage ver-sucht hatten, war allmählich eine weit verbreitete satirischeTrinklitteratur emporgekommen, an der sich noch die Epigonender höfischen Dichtung beteiligten, die Brant¹) und Murner 2)in ihre Kreise zog, die im 16. Jahrhundert dann einen gewaltigenAufschwung nahm, in der Schweiz in Niklas Manuel'sSohn einen trefflichen Vertreter fand, und schliesslich inFischarts grotesker Trunkenlitanei im 8. Gargantuakapitelihren Höhepunkt erreichte 3). Fast ausnahmslos richten sichdie Verfasser gegen das übermässige Saufen, aber sie allekönnen doch die Lust nicht verleugnen, die sie empfinden,wenn sie lärmende Kneipereien, oft in launigster Weise,schildern. Und wenn, was oft geschah, einem Verteidiger desWeines und Bieres ein asketischer Trinkerfeind gegenübergestellt wurde, so werden nicht selten die fröhlichen Wortedes Zechers auf den Leser tieferen Eindruck gemacht haben,als die trockene Nüchternheit des wohlmeinenden Warners.Vielleicht, könnte man hie und da gar meinen, ist dem Ver-
1) Narrenschiff cap. 16.
2) Narrenbeschwörung cap. 18.
3) A. Hauffen, Vierteljahrsschr. f. Litteraturgesch. II, 481-516.Nachträge VI, 174 f., bes. Anm. 21.