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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
den Silberlingen«( Eingang 1913), wie überhaupt Karfreitagsspiele einewillkommene Möglichkeit boten, katholischen Antisemitismus offenauszudrücken.
In dieses Milieu gehören auch die Darstellungen von Ritualmordle-genden, in unserem Museum repräsentiert durch einen Kupferstichzyk-lus zur Legende um das» Anderl von Rinn« und durch eine Darstellungeines derartigen Mordes an einem Kind in Form von geschnitzten Figu-ren in einem Glaskästchen, bislang unbekannter Herkunft.
Der Vollständigkeit halber sind auch noch die Photosammlung unddie Bibliothek des Museums zu erwähnen, die beide natürlich ebenfallsMaterial zu>> jüdischer Volkskunde« enthalten. Hier sind, wie auch inden Objektsammlungen, erste Sondierungen geschehen, doch sind diesbislang nützliche jedoch keineswegs ausreichende Vorarbeiten, die we-der eine seriöse Provenienzforschung 47, noch eine befriedigende Haus-geschichtsschreibung 48 ersetzen.
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Die Arbeit des Museums für Volkskunde wird dank regelmäßiger Dotationen desBundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ermöglicht und durch Perso-nal dieses Ministeriums betrieben, ist aber de jure kein Bundesmuseum. Rechtsträ-ger des Museums und damit Eigentümer der Sammlungen ist der Verein für Volks-kunde. Infolgedessen findet das 1998 erlassene österreichische Kunstrückgabegesetzauf dieses Haus keine Anwendung. Der Vorstand des Vereins für Volkskunde hatjedoch 2007 beschlossen, sich im Umgang mit seinen Erwerbungen aus der Zeitzwischen 1938 bis1945 ebenfalls an den Vorgaben dieses Gesetzes orientieren zu wol-len. Die Direktion des Museums bemühte sich in den letzten Jahren mehrmals, eineProvenienzforschung am Österreichischen Museum für Volkskunde zu verankernund eventuell bedenkliche Erwerbungen offenzulegen. Die dafür nötigen kompe-tenten Recherchen sind aus eigenen Kräften allerdings nicht zu leisten. Es wurdenjedoch bereits nicht unerhebliche Vorarbeiten in Bezug auf die Inventarisierung unddas Museumsarchiv durchgeführt, so dass eine systematische Aufarbeitung der Her-kunft der Objektbestände in den entsprechenden Jahren durch eine Expertin/ einenExperten jederzeit beginnen könnte. Die Entsendung eines Mitarbeiters, einer Mit-arbeiterin durch die Kommission für Provenienzforschung des Bundesministeriumsfür Unterricht, Kunst und Kultur ist seit zwei Jahren versprochen, aber bislang nochnicht erfolgt.
Im April 2010 startete im Österreichischen Museum für Volkskunde ein vom Fondsfür wissenschaftliche Forschung gefördertes Forschungsprojekt unter dem Titel>> Museale Strategien in Zeiten politischer Umbrüche. Das Österreichische Museumfür Volkskunde in den Jahren 1930-1950«. Die Geschichte des Museums- das vonseinen Sammlungsbeständen her größte volkskundliche Museum Österreichs- istaus heutiger Perspektive für die Zeit des Austrofaschismus, des Nationalsozialismusund der ersten Jahre der Zweiten Republik unzureichend bearbeitet. Das dreijähri-