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Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
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Klaus Hödl, Die jüdische Volkskunde im Kontext ihrer Zeit

det, fokussierten Oppenheim, die Schriftsteller der Ghettoromane oderauch Güdemann das alltägliche Leben. Sie schenkten nicht den Arbeiteneinzelner Geistesgrößen, sondern der Lebensführung der breiten MasseAufmerksamkeit. Und die jüdischen Volksschichten führen dabei keineExistenz, die immer nur von Verfolgungen geprägt gewesen wäre, wieGraetz es in seiner» Leidens- und Gelehrtengeschichte«< nahe legt. 17 Op-penheim malte Bilder, in denen gewöhnliche Juden bei der Bewältigungihres Alltages, vor allem beim Feiern des Schabbats, dargestellt werdenund tiefe Zufriedenheit ausstrahlen.

In diesen historischen Skizzen gilt das Interesse der alltäglichen Kul-tur. Im späten 19. Jahrhundert gab es vereinzelte Bemühungen, dieseGeschichtsschau in ein methodologisches Konzept zu fassen und als Cul-turgeschichte zu etablieren. Dabei wurde sie in einer Weise definiert, diewesentliche Merkmale der Volkskunde vorwegnahm. Nach ihrem Be-gründer, Max Grunwald, ist» die jüdische Volkskunde eben ein ande-rer Zweig der Culturgeschichte des Judenthums. Sie ist gewissermaßendas Spiegelbild des jüdischen Lebens und Treibens im Ghetto<<. 18

Eine zentrale Komponente der Vergangenheitsschau, die vormo-dernes aschkenasisches Judentum positiv darstellte, war, dass es mitjüdischer Orthodoxie in Osteuropa, wo die Modernisierung der Judenim Vergleich zu Zentraleuropa deutlich nachhinkte, nicht gleichgesetztwurde. Religiöse Strenggläubigkeit wurde demnach in ein vormodern-traditionelles auf der einen und zeitgenössisches, osteuropäisch- ortho-doxes Judentum auf der anderen Seite unterteilt. In diesem Sinne wur-de an der Differenzierung in Ost- und Westjuden, die die Haskala, diejüdische Aufklärung, in den 1790er Jahren eingeführt hatte, 19 weiterhinfestgehalten.

17 Nach Marcus Pyka hat Graetz diese Formulierung lediglich geprägt, ohne dass siesein Geschichtswerk bestimmt hätte. Siehe Marcus Pyka: Jüdische Identität beiHeinrich Graetz(= Jüdische Religion, Geschichte und Kultur, 5). Göttingen 2009, S.26.

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Oesterreichische Wochenschrift 1898, S. 610.

Shmuel Feiner: The Jewish Enlightenment. Philadelphia 2002, S. 303–304.

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