Druckschrift 
Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
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Christoph Daxelmüller, Hamburg, Wien, Jerusalem

Idee von einer Volkskunde der Juden zurück, die alle Gruppen vonder Antike bis zur Gegenwart berücksichtigt.

3.)>> Kulturgeschichte«< ist»> Geistesgeschichte«<, die auch die Volkskultureinzubeziehen hat. Sie ist weder eine Helden- noch eine Märtyrer-Chronik. Damit ist Grunwald in den 1940er Jahren jüdischen wienichtjüdischen Historikern weit voraus- lediglich Salo W. Baronwarnte bei der Darstellung jüdischer Geschichte vor einer>> lacry-mous history<<.

4.) Kulturgeschichte ist der»> Grundriss jüdischer Seelenkunde und jüdi-schen Volkslebens als Spiegel seiner Eigenart«<. Damit greift Grun-wald eine Feststellung auf, die er auch in seiner zeitnah geschriebe-nen Autobiographie formulierte: Es geht nicht nur um die Darstel-lung jüdischer Folklore und jüdischer Sachkultur, sondern um dieseals Zugang zur menschlichen Seele, zu einem Juden, der ebenso has-sen wie lieben, ebenso trauern wie lachen und fröhlich sein kann.

Volksleben aber ist der» Spiegel seiner Eigenart, die mit einzigartiger Zä-higkeit sich gegen die bösartigsten Gegner seit Jahrtausenden bis heutebehauptet hat<<. Grunwald kennt den kleinen wie den großen Antisemi-tismus seiner Zeit nur zu gut und fällt ihm selbst 1938 zum Opfer. Dochein Streit wirkt in sein Leben und in seine Familie ein, nämlich die Aus-einandersetzung zwischen Joseph Samuel Bloch, Rabbiner in Florids-dorf, und dem katholischen Theologen August Rohling. Bloch ist derSchwiegervater Grunwalds, dessen Tochter Margareta er heiratete.48

Grunwald und die Volkskunde- eine Utopie?

Noch in seiner Wiener Zeit hatte Grunwald den Antrag zur Einrichtungeines Lehrstuhls für Volkskunde an der Hebrew University in Jerusalemgestellt. Man beschied ihn negativ: Beim Aufbau der Universität besä-Ben die technischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten und Fächereindeutigen Vorrang.

48 Christoph Daxelmüller: Folklore vor dem Staatsanwalt. Anmerkungen zu antijüdi-schen Stereotypen und ihren Opfern. In: Helge Gerndt( Hg.): Stereotypvorstellun-gen im Alltagsleben. Beiträge zum Themenkreis Fremdbilder- Selbstbilder- Iden-tität. Festschrift für Georg R. Schroubek zum 65. Geburtstag(= Münchener Beiträ-ge zur Volkskunde, 8). München 1988, S. 20-32.

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