Druckschrift 
Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
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Christoph Daxelmüller, Hamburg, Wien, Jerusalem

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1938 emigrierte Grunwald nach Jerusalem. Am 15. Juli 1938 hattedie Bezirkshauptmannschaft Baden die» Vermögensanmeldung des Dr.Max Grunwald in fünffacher Ausfertigung übernom[ m] en.<< 18 In Jeru-salem war ihm sein Sohn Kurt behilflich gewesen. Grunwald starb am24. Januar 1953 in Jerusalem. Seine letzte Ruhestätte fand er auf demdortigen Prominenten- Friedhof Sanhedriya. Makabre Ironie sowohl derdeutschen wie der israelischen Geschichte: Die Ehefrau Margarete wur-de auf dem riesigen Friedhof am Ölberg beigesetzt, im Tod geschiedenvon ihrem Ehemann, der ihr nicht nur als Wissenschaftler viel zu ver-danken hatte. Denn ohne Margarete hätte er sein nahezu unglaublichesOeuvre an Büchern, Herausgeberschaften, Aufsätzen und Lexikonbei-trägen nicht erarbeiten können. Er verdiente mit völlig anderen Aufga-ben seinen Lebensunterhalt, mit der Verwaltung, der Seelsorge und mitsozialen Diensten in der Gemeinde. Seine Predigten bereitete er mit gro-Ber Gewissenhaftigkeit vor. Worin aber bestand der wesentliche Anteilvon Margarete am volkskundlichen» Hobby« ihres Mannes? Sie tippte,so der Sohn Kurt, die Manuskripte mit der Schreibmaschine ins Reine.

Bis heute ist es mir nicht gelungen, in einschlägigen deutschsprachi-gen volkskundlichen Zeitschriften einen Nachruf auf Max Grunwald zufinden.

Universalismus- ein praktikabler Ansatz?

Man wird der Spezifik der auf institutioneller Grundlage seit 1898 be-triebenen jüdischen Volkskunde nur dann gerecht, wenn man den Rab-biner Grunwald nicht vom Wissenschaftler und Gelehrten Grunwald,das Objekt, die jüdische Volkskultur, nicht von den politischen, sozialenund geistigen Entwicklungen zwischen spätem 19. Jahrhundert und 1933trennt. Als Grundmuster seien hier zumindest genannt, wenn auch nichtweiter ausgeführt: Assimilation, das schwierige Verhältnis des Westenszum Ostjudentum, Zionismus und Antisemitismus.19

18 JNUL Jerusalem, Nachlass Dr. Max Grunwald 4° 1182/ VI: 4.

19 Christoph Daxelmüller: Volkskultur und nationales Bewußtsein. Jüdische Volks-kunde und ihr Einfluß auf die Gesellschaft der Jahrhundertwende. In: Jahrbuchfür Volkskunde N. F. 12, 1989, S. 133-146, ders.: Jüdische Volkskunde in Mittel-und Osteuropa. Überlegungen zur Wissenschaftsgeschichte einer vergessenen In-stitution. In: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 2, 1992,

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