Druckschrift 
Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

378 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4

hatte verheißungsvoll begonnen, doch je näher die Ausstellungseröff-nung rückte, umso mehr häuften sich die Absagen bei auszuleihendenExponaten und in Aussicht gestellten Sponsoren- Geldern. Lediglichsein Schwager Leon Kolb vom Wiener Jüdischen Museum, 1893 als>> Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunst- und His-torischen Denkmälern des Judentums« gegründet, hielt zu ihm. 14 DieJuden befürchteten im sensiblen Gebiet der Hygiene, das auch die aktu-ell umstrittenen Bereiche» Beschneidung«( Beschneidungsstreit) und dieKaschrut( Schächtverbot) umfasste, neue Stigmatisierungen. Grunwaldkämpfte sich durch. Der Erfolg der Ausstellung rückte ihn und sein Pro-jekt in den Mittelpunkt des internationalen öffentlichen Interesses. 15

Mit dem 1. Februar 1931 trat Grunwald vorzeitig von seinem Postenals Rabbiner am Großen Leopoldstädter Gemeindetempel zurück- of-fiziell aus Gesundheitsgründen. 16 Tatsächlich fühlte er sich als zweiterWiener Rabbiner und Stellvertreter des Oberrabbiners immer wiederübergangen und vermutete in den persönlichen Angriffen gegen ihn auchNeid wegen seiner Vortragstätigkeit und wissenschaftlichen Arbeit, dieer neben seinem Hauptberuf betrieb. Die letzten Jahre seines österrei-chischen Lebens verbrachte er in Baden bei Wien. Sein Sohn Kurt wan-derte als überzeugter Zionist nach Palästina aus. Er hatte sich das Geldfür die Fahrt zum Zionistenkongress in Basel mit einem Purimspielverdient. Dass es nicht nur gedruckt wurde, sondern auch etwas Geldeinbrachte, überraschte ihn noch im hohen Alter.

liche Museen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde im Germanischen Na-tionalmuseum Nürnberg 29.11.- 1.12.1988. o.O[ Nürnberg: Germanisches National-museum] 1989( erschienen 1990), S. 15-26; auch in: Anzeiger des GermanischenNationalmuseums und Berichte aus dem Forschungsinstitut für Realienkunde 1989,S. 15-26; ders.: Dr. Max( Meïr) Grunwald, Rabbiner, Volkskundler, Vergessener.Splitter aus der Geschichte des jüdischen Wiens und seines Museums. In: WienerJahrbuch für jüdische Geschichte, Kultur& Museumswesen 1, 1994/1995 // 5755, S.89-106.

14 Max Grunwald: Bericht über die Gruppe» Hygiene der Juden«< in der Internationa-len Hygiene- Ausstellung Dresden 1911. 0.O.[ Wien] 0.J.[ 1911].

15 Max Grunwald,( Hg.): Die Hygiene der Juden. Im Anschluß an die InternationaleHygiene- Ausstellung Dresden 1911. Dresden 1911.

16 So Hugo Gold: Geschichte der Juden in Wien. Ein Gedenkbuch. Tel- Aviv 1966, S.60.

17

Kurt Grunwald: Ministerkrisen. Ein Purimspiel aus Austro- Persiens Vergangenheitin 3 Akten. Frankfurt a.M. 1921.