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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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Klimawandel, Kulturerbe und Angst

Volkskundlich- psychologische Zugänge zu einem brisanten

Thema

Bernd Rieken

Als sich die Staats- und Regierungschefs der acht mächtigsten Länder der Welt vom 06. bis 08.Juni 2007 in Heiligendamm trafen, um über den Klimawandel zu diskutieren, hatte Green-peace bereits ein Zeichen der besonderen Art gesetzt. Die Organisation errichtete nämlichEnde Mai 2007 einen Nachbau der Arche genau dort, wo nach biblischer Überlieferung Noahgestrandet sein soll, am südosttürkischen Berg Ararat. Greenpeace wollte damit nach Aussageder hauseigenen Zeitschrift act" ein Zeichen der Hoffnung und der Mahnung[ setzen], dasunabhängig vom Ursprungsmythos in allen Sprachen und Kulturen verstanden wird".' ,, Wasnämlich, so der Autor des Beitrags, mit dem Klimawandel auf uns zukommt, könnte sichschon bald, wenn die Menschheit nicht langsam zur Vernunft kommt, in eine Katastropheverwandeln, von der man auch in ein paar Tausend Jahren noch sprechen oder lesen wird".?Der Klimawandel ist in aller Munde, und er ist es mittlerweile sosehr, dass besorgte Sozio-logen wie der an der Universität von Kent lehrende Frank Furedi sich veranlasst sehen, diewenigen verbliebenen Leugner des Klimawandels in Schutz zu nehmen, da an ihnen eine sä-kulare Inquisition vollzogen wird, um das freie Denken zu stigmatisieren".³ Und die Wochen-zeitung Die Zeit", welche in ihrer Ausgabe vom 10. August 2006 der drohenden Klimakata-strophe noch die Hauptschlagzeile auf Seite 1 gewidmet hatte, prangerte bereits 14 Monatespäter den ,, Klimatismus als neue weltliche Religion" an- wegen der vermeintlichen psycho-strukturellen Ähnlichkeiten zwischen Gottesglauben und eben diesem Klimatismus. 5

Die wenigen Beispiele machen bereits deutlich, dass wir es mit einem Thema zu tun haben,welches heftige Gefühle hervorruft, nämlich Gefühle der Bedrohung, der Angst, aber auchder Abwehr und Aggression. Mit der Angst beschäftigen sich in erster Linie Psychologie, Psy-chiatrie und Psychotherapie, und das in der Regel aus individueller Sicht, während sie in dengeschichts-, kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen ein eher bescheidenes Da-sein in deren Asservatenkammern fristet. Eine rühmliche Ausnahme bildet Jean Delumeausmentalitätsgeschichtliche Untersuchung Angst im Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland". In der Einleitung weist erdarauf hin, dass die Geschichtsschreibung, obgleich sie in unserer Zeit viele neue Bereiche

2

1 Roman Keller: Von Gipfel zu Gipfel. In: act[ Zeitschrift von Greenpeace Österreich], 2007, H. 3, 4f., hier: 4.Ebd.

3

Frank Furedi: Von Holocaustrevisionisten und Klimawandelleugnern. In: NOVO, H. 88, Mai/ Juni 2007, 8-11,hier: 8.

4

Fritz Vorholz: Die Rückkehr der Ökologie. In: Die Zeit, 10.08.2006, Nr. 33, 1.

5

Josef Joffe: ,, Ich bin Dein Gore... und Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." Der Klimatismus

als neue weltliche Religion. In: Die Zeit, 18.10.2007, Nr. 43. Online unter: http://www.zeit.de/2007/43/U-Klimatismus? page= all( Zugriff: 24.10.2007).

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