Druckschrift 
Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
Seite
313
Einzelbild herunterladen
 

Musikalische Volkskultur im

Spannungsfeld von regionalemBewusstsein,und Volksmusikpflege

Kommerzialisierung

Eine Bestandsaufnahme im Zillertal

Martina Natter

In den Jahren 2005 und 2006 führte ich im Auftrag des Tiroler Volksliedarchivs eine Feld-forschung im Zillertal durch. Ziel dieser Feldforschung war es, in einem Zeitraum von jeweilsmehreren Wochen Aspekte der so genannten musikalischen Volkskultur im hinteren Zillertalsystematisch zu dokumentieren. Der Begriff Volksmusik" wurde dabei sehr weit gefasst, erschließt mit Ausnahme der Blasmusik jede musikalische Ausdrucksform von Laienmusikantenmit ein: traditionelles, mündlich überliefertes Liedgut, geistliches Singen, Instrumentalmusik,Dialektpop, Musik im Zusammenhang mit Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, Chorgesang etc.

Eine wesentliche Frage dabei war, welche Auswirkungen der Tourismus auf die Kommer-zialisierung der musikalischen Volkskultur im Zillertal hat, welche Beeinflussungen auszu-machen sind und welchen Stellenwert die mündlich überlieferte Volksmusik im Alltag undFesttag der Zillertaler heute einnimmt. Die Volksmusik steht hier ganz besonders im Span-nungsfeld von mündlicher Überlieferung, ihrer zunehmenden Verdrängung aus dem Alltagdurch den Tourismus seit den 1960er Jahren und der damit einhergehenden, beinahe unüber-schaubaren Fülle von Tonträgern mit volkstümlicher Musik, die oft mit dem Etikett echteVolksmusik" versehen werden.¹

Unterschiedliche Konzepte von Volksmusik

In der ganzen Vielfalt der musikalischen Volkskultur sind- nicht nur im Zillertal- sehrunterschiedliche Konzepte von Volksmusik auszumachen. Einmal gibt es die ältere, früherhauptsächlich mündlich tradierte Volksmusik, die gemeinhin als das kulturelle Erbe einerbestimmten Landschaft bezeichnet und die in erster Linie von Laien praktiziert und weiter-gegeben wird. Sie steht in primärfunktionalen Zusammenhängen und nimmt im Vergleichzur ,, volkstümlichen Musik und zu der von der Volksmusikpflege propagierten Volksmusikquantitativ einen geringen Raum ein.

1

Die Ergebnisse dieser Feldforschung sind in einem Feldforschungsbericht im Jahrbuch des ÖsterreichischenVolksliedwerks, 2007 zusammengefasst. Die ausführliche Audio- Dokumentation Und im Zillachtål drinnen... Musikalische Volkskultur im Zillertal, Hrsg. Martina Natter, ist 2008 im Verlag des Tiroler Volksliedarchivs,Innsbruck erschienen.

313