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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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,, Erinnerung, Identität, Erbe"

Die Neucodierung von ,, kulturellem Erbe" im Kontextdes Nationalstaats im Umbau

Irene Götz

,, Kulturerbe", nationales Erbe, unser gemeinsames europäisches Erbe" sind Begriffe, dieästhetische Werke und repräsentables Wissen einer nationalen Kultur" auf- und identitäts-politisch auswerten. Dieses Kulturkapital erlebt europaweit eine beachtenswerte Konjunktur:zum einen durch eine transnationale oder supranationale Kulturpolitik- der UNESCO oderder Europäischen Union-, zum anderen auch innerhalb der Nationalstaaten, die in Europaals Einwanderungsgesellschaften nicht nur um zivilgesellschaftliche Leitwerte, sondern auchum verbindend- verbindliche Leitkulturen" ringen.

Speziell in Deutschland ist diese verstärkte Orientierung an einem nationalen Erbe" indiesen Kontexten insofern besonders bemerkenswert, als hier in der weiteren Nachkriegszeitbis in die 1980er Jahre hinein weder der Begriff selbst öffentlich diskutiert wurde noch seinweiteres semantisches Assoziationsfeld nationale Kultur, nationale Identität"- positiv be-setzt war oder überhaupt breitere Beachtung fand. Nach Auschwitz kann man keine Gedichtemehr schreiben- dieser einflußreiche Satz Adornos³ faßte ein kollektives Trauma" zusam-men: Angesichts von Auschwitz hatte sich das Land der Dichter und Denker" mit den vomNationalsozialismus in Miẞkredit gebrachten nationalen Helden und Symbolen vollständigdesavouiert.

Etwas holzschnittartig dargestellt: Das Erbe des Nationalsozialismus dominierte nach 1968,als die Generation der Söhne und Töchter das bis dato kollektive Schweigen der Väter aufzu-brechen versuchte, in der Bundesrepublik Deutschland einschlägige öffentliche erinnerungs-politische Diskurse. Es schuf eine Erinnerungslandschaft 4, in der Gruppen und Generati-1 Dieses Zitat stammt aus einem Essay von Etienne François über die ,, Dreiheit, Erinnerung, Identität, Erbe"",wie sie seit den 1980er Jahren die Debatten um die symbolischen Repräsentationen von Geschichte undIdentität bestimmen. Etienne François: Von der wiedererlangten Nation zur ,, Nation wider Willen". Kannman eine Geschichte der deutschen ,, Erinnerungsorte" schreiben? In: Ders., Hannes Siegrist, Jakob Vogel( Hg.): Nation und Emotion. Deutschland und Frankreich im Vergleich, 19. und 20. Jahrhundert.( KritischeStudien zur Geschichtswissenschaft, 110) Göttingen 1995, 93-110, hier: 100.

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Zu diesem Begriff einer normativen ,, nationalen Kultur" siehe vor allem Orvar Löfgren: The Nationalizationof Culture. In: Ethnologia Europaea, Vol. 19, 1989, 5-24.

Adornos vor über 50 Jahren im Exil entstandene Aphorismen- Sammlung ,, Minima Moralia. Reflexionenaus dem beschädigten Leben"( Jubiläumsausgabe Frankfurt/ M 2001) wurde in der Nachkriegszeit zurCharakterisierung der entsprechenden Stimmungslage in Deutschland viel rezipiert. Siehe hierzu auchBernhard Giesen: National Identity as Trauma. The German Case. In: Bo Stråth( Hg.): Myth and Memoryin the Construction of Community. Historical Patterns in Europe and Beyond. Bern u.a., 227-247, hier:241: ,, the utmost barbarism Glossar ::: zum Glossareintrag  barbarism had taken place in the nation that had based its identities on, Kultur'[...]The triumphant notion of a German Kulturnation was replaced by the traumatising disclosure of theHolocaust. As Adorno wrote, faced with Auschwitz, there was no place left for poems".

Hans Dieter Kittsteiner: Vergebliche Abschiede. Deutsche Erinnerungslandschaften. In: Neue Rundschau,1999, Heft 4, 49-62.

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