Lediglich bei den nach Schloss Obermayerhofen bei( Bad) Waltersdorfüberführten Objekten ist es aufgrund von Kampfhandlungen und massi-ven Plünderungen zur Zerstörung 592 und Verschleppung von Objekten 593gekommen, sodass nur ca. vier Fünftel der dorthin verbrachten Objekte 594wieder geborgen werden konnten. 595
14.3.2. MUSEALE ARBEITSFELDER GERAMBS
Während dieser Bergungsmaßnahmen wird im Grazer Museumsgebäudeunter Gerambs Leitung sechs Wochen lang gereinigt und hernach einekleine Ausstellung von„ Bauernhaus- Aufnahmen" 596 aufgebaut. Dabei wer-den Pläne, Bilder und Verbreitungskarten steirischer Bauernhausformengezeigt. Ab August 1945 ist das Volkskundemuseum wieder an drei Tagenin der Woche für Besucher( innen) geöffnet und die neue Ausstellung, derwenig später eine Ausstellung mit Andachtsbildern steirischer Gnaden-orte hinzugefügt wird, findet guten Anklang. 597 Für die englischen Besat-zungssoldaten organisiert Geramb die Aufführung geistlicher und weltlicherVolkslieder im Museum. 598
Die britische Militärregierung ordnet, wohl als Ansporn für weitere Aufbau-arbeiten und quasi als Leistungsschau des bereits Erreichten, eine von 26.November bis 3. Dezember 1945 dauernde„ Joanneums- Festwoche" 599an. Diese Festwoche bedeutet für Geramb einen zusätzlichen Sonderein-satz 600, da in deren Rahmen auch die Sammlungen des Steirischen Volks-kundemuseums besucht werden und Geramb Vorträge zu halten hat.601Eine zusätzliche Arbeitsbelastung bringt der Auftrag der„ ProvisorischenSteiermärkischen Landesregierung“ vom 10. August 1945 an Dr. HannsKoren 602, im Volkskundemuseum treuhänderisch die noch vorhandenenBestände des ehemaligen„ Instituts für deutsche Volkskunde“ der„ HohenSchule( in Vorbereitung)“ des„ Amtes Rosenberg" im Stift Rein bei Graz zuverzeichnen, sicherzustellen und einstweilig in Verwahrung zu nehmen.603Dabei soll das Augenmerk vor allem auf Akten- und Bibliotheksbestände,ferner auf die von der Forschungsstelle„ Haus und Hof deutscher Bauern"angefertigten Aufnahmen von unter Denkmalschutz zu stellenden Bauern-höfen ,, sowie das sonstige dort zugehörige, Kulturgut( bäuerliches Land- undHauswerk) 604 gerichtet werden. Nach Gerambs Worten an Richard Wolf-ram treffen die Museumsmitarbeiter( innen) im Stift Rein auf einen„ wüste[ n]Trümmerhaufen" 605, können aber„ unsere Bauernhausaufnahmen" 606 fin-den und bergen. Einen großen Teil der, zum Zeitpunkt der Übernahme desStiftes Rein aus sowjetischer Besatzung noch vorhandenen Bibliotheks-bestände hat die britische Militärregierung bei der Übernahme des Stiftesbereits beschlagnahmt und in ihre Dienststelle Schloss Plankenwarth ver-bracht.607 Eine Vielzahl dieser Bücher wird mit Hilfe britischer Fahrzeugeins Steirische Volkskundemuseum nach Graz überführt und dort später
GERAMB LEBEN 84