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Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
Seite
79
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beschwört Geramb den Geist des Friedens und des wis-senschaftlichen Ernstes 569 und spricht sich für eineEntpolitisierung des Faches 570 aus. Ein Indiz für Gerambs Schwierigkei-ten( bei allen österreichischen Beteuerungen) mit einer vom, deutschenKulturkreis getrennten österreichischen Volkskultur" sind seine Wortebetreffend die bajuvarischen und alemannischen Volkskulturen" 571. Diesemöchte er nicht zu den Fremden zählen, sondern[...]- wieder ohne politi-schen Nebengedanken- als Blutsbrüder behandeln" 572.

Viktor Geramb wird in dieser Funktion als Mitredakteur bis zum Band 6 der Neuen Serie" der Zeitschrift 1952 verbleiben und mit dem Band 7 seineMitredaktion an Hanns Koren abtreten. 573 Der Rücktritt Gerambs aus seinerCo- Redaktion erfolgt zwar auf eigenen Wunsch, ihm ist aber ein hartesschriftliches Gefecht" zwischen Geramb und dem Hauptredakteur LeopoldSchmidt im 6. Band der Neuen Serie" der ÖZV vorausgegangen. 574 Aus-löser für dieses Gefecht ist eine Rezension Leopold Schmidts im 5. Bandder ÖZV( 1951) 575, die er mit einem pointiert- stichelnden Satz beschließt,der Viktor Geramb massiv trifft und diesem zu einer heftigen Entgegnungim 6. Band Anlass gibt. Gerambs Erregung über diese Stichelei Schmidtsschlägt sich meines Erachtens sogar in seinem autobiografischen Aufsatz,der ebenso aus 1951 datiert, nieder. 576

14.3. MUSEALER WIEDERAUFBAU

Unmittelbar nach Kriegsende nimmt Geramb seine Arbeit auch am Volks-kundemuseum wieder auf. 577 Auch wenn Geramb dort anfangs, bedingtdurch die Kriegsfolgen, mit einem sehr reduzierten Mitarbeiter( innen)stab578 auskommen muss und zahlreiche vielgestaltige Probleme579 zu be-wältigen hat, sind die nationalsozialistischen Drangsalierungen zu Ende.Aus einigen Worten einer Rede Gerambs ,, zur Wiederaufnahme der Ar-beit am Volkskundemuseum" vom 12. Juni 1945 lässt sich bereits dieArbeitsprogrammatik ablesen: ,, NNicht der vernichtete Staat, nicht die zer-trümmerten Städte, nicht der verlorene Krieg[...], das größte Unglück istdie vergiftete Volksseele[...] hier muß vor allem die Rettungsarbeit begin-nen, u[ nd] zw[ ar] sofort." 580 Mehr denn je möchte sich Geramb in dieser Nachkriegs- Aufbaustimmung gesellschaftspolitisch engagieren. Ihm, derin der NS- Zeit öffentliche gesellschaftspolitische Äußerungen denn dochunter dem Druck der Ereignisse unterlassen hat und unterlassen musste,sind nun wieder alle Möglichkeiten gegeben. Geramb greift dabei wiederauf seine praxisbezogenen Ansätze der Zeit des Ersten Weltkrieges undder Zwischenkriegszeit zurück. In beinahe missionarischem Eifer folgt Ge-ramb wieder seiner Sehnsucht- wohl auch seiner Allmachtsfantasie- zur,, Rettung der Volksseele".

GERAMB LEBEN 82