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Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
Seite
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14.3.1. VIKTOR GERAMB UND DIE BESATZUNGSMÄCHTE

Als in der Nacht zum 9. Mai 1945 Teile der Sowjetarmee, von der Rieskommend, die ehemalige Stadt der Volkserhebung Graz besetzen, hatdie Steiermark bereits eine nicht- nationalsozialistische Landes- und Grazeine ebensolche Stadtregierung. Schon am 7. Mai 1945 ist der Gauleiterund Reichsstatthalter Uiberreither geflohen und hat die Macht an seinenStellvertreter Gauhauptmann Armin Dadieu übergeben. Die verschiedenenWiderstandsgruppen treten auf den Plan und am Nachmittag des 8. Mai istdie NS- Ära in der Steiermark endgültig zu Ende. 581 Bis zum 24. Juli 1945582,dem Tag der großen Rochade" der Besatzungszonen( übrigens einem derwenigen Beispiele, dass die Sowjetunion damals besetztes Feindeslandwieder räumte), ist Graz von der Sowjetarmee besetzt.

Die Erlebnisse Gerambs mit Angehörigen der sowjetischen Besatzungsar-mee sind als abenteuerlich bis bedrohlich zu charakterisieren und findendaher auch Eingang in Gerambs Korrespondenz. Geramb wohnt in denersten Nachkriegsmonaten offenbar noch ständig in seinem Landhaus inGedersberg, wohl um dieses in unsicheren Zeiten in seiner Obhut zu wis-sen. Sein Schwiegersohn Wilhelm Herzog kann ihn hiebei nicht unterstüt-zen, da er sich in jenen Monaten noch in Kriegsgefangenschaft befindet.583Innerhalb dreier Monate wird Gerambs Landhaus, folgt man Gerambs An-gaben, 73- mal von russischen Soldaten heimgesucht. 584 Dabei kommt es,bevorzugt in Vollmondnächten, offenbar auch zu nächtlichen Übergriffen,deren Ablauf Geramb den( literarischen) Vergleich mit Karl- May- Erzählun-gen anstellen lassen, realiter allerdings einen Schwerverletzten verursa-chen und Gerambs Hund das Leben kosten. 585 Dabei wird das Landhausaußerdem, nach Gerambs Angaben, um vier Lastwagen voller beweglicherHabe ,,, befreit" 586. Nicht zuletzt aus diesen negativen Erfahrungen verfes-tigt sich bei Geramb eine starke Antipathie auf alles Russisch- Sowjetisch-Kommunistische".

Deutlich erleichtert äußert sich Geramb in seiner Korrespondenz über denWechsel von der sowjetischen zur britischen Besatzungsmacht.587 Bei derSicherung und Bergung der auswärts gelagerten Museumsbestände er-fährt Geramb Hilfe durch britische Armeeangehörige, vor allem durch zweiMitarbeiter des British Museum". 588 Bis zum 26. Oktober 1945 werden überAuftrag der britischen Militärregierung 7000 evakuierte Musealobjekte insGrazer Volkskundemuseum zurückgebracht. 589 Die letzten Bergungsfahr-ten finden Ende Dezember 1945 statt. 590 Dabei können die nach SchlossWeyer bei Frohnleiten, Schloss Neudau, Gedersberg und Hart bei Grazverbrachten Gegenstände vollständig wieder in das Grazer Museum über-führt werden. Durch einen skurrilen Zufall bleiben sogar die Figurinen mitder Trachtensammlung vor der Zerstörung und Verschleppung verschont.591

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