Gerambs Tätigkeit am Museum also schlimmstenfalls, die Entscheidungs-befugnisse betreffend, eingeschränkt gewesen ist.
13.4.2. DAS ENDE FÜR DAS AKADEMISCHE LEHRAMTAnders auf der Universität. Nachdem auch Gerambs Brief an den Rek-tor vom 15. Dezember 1938 keine Entscheidung betreffs seiner möglichenEnthebung herbeiführt, bleibt die Entscheidung über Geramb auch zu Jah-resbeginn 1939 in Schwebe. Auch mögliche Interventionen 379 z. B. durchRichard Wolfram, der Mitte Mai 1939 Geramb in Graz besucht und dabeioffenbar verspricht, sich für Geramb einzusetzen, fruchten offensichtlichnichts.380
Mit ministeriellem Erlass vom 26. Juli 1939 wird Geramb„ auf Grund des§ 6 der Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeam-tentums vom 31. Mai 1938, R[ eichs-] G[ esetz-] B[ latt] I, S[ eite] 607[...] mitEnde des Monates Juli 1939" 381 von seinem universitären Lehramt in denRuhestand versetzt. Auf sein Ansuchen bekommt Geramb in einem wei-teren Erlass„ als Entschädigung für tatsächliche Leistungen das auf dreiwöchentliche Vorlesungsstunden entfallende Honorar nachträglich für dasWintersemester 1938/39 und für das Sommersemester 1939" 382 geneh-migt. Geramb hat sich in seinem Ansuchen offenbar darauf berufen, dassmit dem Ende des Studienjahres 1937/38 nur die seinerzeitige Lehrauf-tragsaufstockung um zwei Stunden auf vier Wochenstunden, nicht aber derunbefristet erteilte zweistündige Lehrauftrag ausgelaufen wäre. 383 Damit istGerambs universitäre Lehre tatsächlich bis zum Ende der NS- Ära in Grazbeendet. Quasi als Epilog findet am 25. Oktober die offizielle Übergabedes„ Volkskundlichen Lehrapparats" statt, dessen kommissarische Leitungder Germanist Leo Jutz bis zum Kriegsende übernehmen wird. 384 Damitist für den Weiterbestand des für die akademische Ideologieverbreitungder Nationalsozialist( inn) en wichtigen Faches„ Deutsche Volkskunde“ auchwährend des Krieges an der Grazer Universität gesorgt. Auch wenn dieGrazer universitäre„ Deutsche Volkskunde" nach der Zwangspensionie-rung Gerambs im Vergleich zu den Aktivitäten an anderen österreichischenUniversitäten vergleichsweise bescheidene ideologische Auswüchse zuverzeichnen hat, wird sie doch unterrichtet.
Ungefähr ein Jahr hat es gedauert, dass Gerambs Begeisterung überden„ Anschluss“ einer tiefen Ernüchterung über das wahre Gesicht des„ Führerstaates" gewichen ist. Geramb hat die Macht und den Durchgriffs-willen, zumindest einer bestimmten Parteigliederung, in Bezug auf seinLehramt zu spüren bekommen. Vor noch härteren Folgen schützt ihn sehrwahrscheinlich seine Prominenz 385, die eine härtere Verfolgung durch dieNazis einigermaßen schwer argumentierbar gemacht hätte. Weiters sindGerambs propagandistischen Verdienste um die NS- Bewegung und den
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