heisst[ sic!] klar sein" 366 beruft, dem Gauleiter somit den ideologischen Spie-gel vors Gesicht hält. Geramb setzt sich im zitierten Schreiben nochmalssehr für den Verbleib Korens am Museum ein, ist bereit, seine Position fürKoren zu opfern. Geramb beruft sich in diesem Schreiben auch auf weitere„ Nachrichten und Beweise, dass[ sic!] Manchem mein Museum und meineWenigkeit nicht paßt“ 367, präzisiert dieses„ Manchem“ aber außer dem Hin-weis auf Heinrich Hoffer nicht.
Nicht uninteressant im Kontext von Gerambs Position am Museum ist einBrief, den Richard Wolfram am 30. April 1939 an Wolfram Sievers, den,, Reichsgeschäftsführer" des„ Ahnenerbes", schreibt. 368 Wolfram infor-miert Sievers darüber, dass Karl Ruprecht 369, ein Vertreter des„ AmtesRosenberg", plane, nach Graz ans Volkskundemuseum zu gehen, wes-halb Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten wären. Dieser Brief zeigt, dassGerambs Position am Museum auch 1939 noch durchaus umstritten ist.In Graz bleibt aber„ der status quo am Museum formal erhalten" 370, wieHelmut Eberhart ausführt.
13.4. AM MUSEUM GEDULDET- VERLUST DER
PROFESSUR
Auch nach dem neuerlichen Erhalt des Status quo am Museum bleibt inWahrheit nicht alles beim Alten. Inwieweit allerdings Gerambs autobiogra-fische Aussage von 1951, der Nationalsozialismus habe ihn„ sieben Jahrevon der Universität, entfernt und seine„ Tätigkeit am Museum auf Nullherabgesetzt", der belegbaren Realität entspricht, gilt es zu hinterfragen.
13.4.1. DIE SITUATION AM MUSEUM
Was Gerambs Tätigkeit als Musealvorstand betrifft, so konnte mehrfach371festgestellt werden, dass Geramb sich aus der Geschäftsführung des Mu-seums„, weitgehend" 372 zurückziehen muss. Sein Stellvertreter, der KustosDr. Viktor Theiẞ373, übernimmt Gerambs Agenden.374
Hanns Koren formuliert in seinem„ Lebensbild" Gerambs von 1974 etwaskryptisch,„ auch das Betreten seines Volkskundemuseums sollte er[ Ge-ramb] auf den Rat wohlmeinender Freunde unterlassen" 375. Koren erläutertallerdings nicht näher, um welche wohlmeinenden Freunde es sich da ge-handelt habe. 376 Die Formulierung, seine Tätigkeit sei„ auf null herabge-setzt" gewesen, ist jedenfalls als Gerambsche Inszenierung des umtriebi-gen Gestalters und Hüters seines„ Kindes“ Volkskundemuseum zu begrei-fen. Auch ein Blick in die privaten Tagebücher, z. B. des Jahres 1944, zeigtöfter Besprechungen, Termine etc. im Museum. 377 Bernhard Schweighoferhat in den Akten des Volkskundemuseums, die Jahre 1938-1945 betreffend,immer wieder Aktenstücke gefunden, die Gerambs Unterschrift tragen odervon ihm persönlich bearbeitet worden sind.378 Diese Akten zeigen, dass
GERAMB LEBEN 59