später emigriert oder in den Konzentrationslagern verschwunden.
Am Schluss des Briefes fordert Hafner unmissverständlich Genugtuungfür Gerambs Handlung und grüßt im Brief, einen Tag vor dem„ Anschluss"Österreichs, mit„ ,, Heil Hitler!"" 327
13. DIE NS- ZEIT
13.1. DER„ ANSCHLUSS"
Am 15. März 1938, vier Tage nach dem„ Anschluss", tritt Geramb ausdem„ Altherrenverband" des Deutschen Historischen Vereins aus. 328Doch„[ m] it einem gewissen Maß an politischer Naivität stellt Gerambdas Faktum des Anschlusses über die dahinterstehende Ideologie desNationalsozialismus" 329. Dieser„ Anschluss" ist für den überzeugt„ groẞ-deutschen" Geramb lang ersehntes Ziel, für das er ja über all die Jah-re nicht müde geworden ist, vor allem via seine Vereinsaktivitäten( z. B.im VDA), zu arbeiten. Ein emotional sehr subjektives, bedingt durch dieFreundschaft gleichermaßen aber ehrliches Bild dessen, was für ihn imMoment des Geschehens dieser„ Anschluss“ bedeutet hat, zeichnen Ge-rambs an den Dichter Max Mell( 1882-1971) gerichtete Worte: ,,, An diesemgroßen Tag, der auch mich sehr beglückt, weil Österreich nach 72jährigemSeitengang wieder zum tausendjährigen deutschen Mutterstrom zurück-findet, hat man nicht Gedanken u[ nd] Muße zum Briefschreiben.[... W]ie wenig bedeute ich u[ nd] mein Werk in diesem ungeheuren Geschehen.Möge Gottes Segen darüber walten!" 330 Aus Gerambs Worten wird klar,dass seine großdeutsche Haltung in reaktionärer, naiv- idealistischer Am-bition den Deutschen Bund vor der Entscheidung von Königgrätz( 1866)und, den weiteren Worten folgend, eigentlich den Reichsgedanken des1806 durch die Niederlegung der römisch- deutschen Kaiserwürde durchKaiser Franz II.( I.) zu Ende gegangenen„ Heiligen Römischen ReichesDeutscher Nation" herbeisehnt. Geramb erwähnt zwar im selben Brief, erhabe ,, an Dr. Stepan, der heut nacht in Schutzhaft genommen wurde[...],viel verloren" 331, die trügerische Freude über den heiß ersehnten Anschlusssiegt jedoch über Eigeninteressen.
Am 2. Mai 1938 hält Geramb seine„ Antrittsvorlesung nach dem Umbruch" 332Weiters beantragt ein anscheinend ungebrochen optimistischer Gerambam 19. Mai die Verlängerung seines am 30. September 1938 auslaufendenLehrauftrages333 sowie die Erhöhung dieses Lehrauftrages von vier auf fünfSemesterwochenstunden. 334 Doch nun bekommt Geramb den gnadenio-sen Umgang des nationalsozialistischen Staates zu spüren. Seine 50-60%Einverständnis mit dem Nationalsozialismus bei gleichzeitigem bekennen-den Katholizismus sind manchen prominenten Grazer NSDAP- Aktivistenentschieden zu wenig.
GERAMB LEBEN 54