der Romantiker seien hier noch erwähnt: der von Februar 1851 bis Okto-ber 1861 an der Grazer Universität 287 wirkende Germanist Karl Weinhold( 1823-1901), Schüler Jacob Grimms, Mitbegründer des„ Berliner Vereinsfür Volkskunde" und der„ Zeitschrift des Vereins für Volkskunde" 288( heute:Zeitschrift für Volkskunde) sowie sein Jahrgangskollege, der MünchenerProfessor für Kulturgeschichte und Statistik Wilhelm Heinrich Riehl( 1823-1897).
11.3.„ ANGEWANDTE" VOLKSKUNDE
Genauso wichtig wie seine Diskussionen mit Fachkollegen und seine the-oretisch- methodischen Publikationen ist für Geramb der Kontakt mit dem„ Feld“, das Hinaustragen seiner Erkenntnisse zu den Menschen, sei esüber das Museum und die damit verbundenen Agenden( ,, Das Heimat-werk", Führungen, etc.), über Vorträge, Flugschriften( besonders im ErstenWeltkrieg-- siehe dazu das Kapitel„ Exkurs: Geramb im Ersten Weltkrieg"),Zeitungsartikel oder auch das konkrete Tun.
Geramb veranstaltet beispielsweise mit seinen Studierenden Sonnwend-feuer289. Es geht ihm dabei um die Erhaltung und Pflege des traditionellenBrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums, das die jungen Volkskundler( innen) mittragen sollten. Sei-ne öfter wieder aufgelegte 290 und weit verbreitete Publikation„ DeutschesBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in Österreich. Ein Buch zur Kenntnis und Pflege guter Sittenund Bräuche" 291 von 1924 kündet schon im Titel von den Intentionen desAutors. Die Kenntnis, das Wissen um diverse Bräuche soll u. a. auch zuihrer Pflege führen, die Geramb heftig unterstützt, solange es sich um„ gute Bräuche" handelt.„ Gut" ist hier in einem reaktionär- wertenden Sinnzu verstehen und bedeutet in diesem Zusammenhang soviel wie„ wertvoll",„, echt“,„ überliefert“,„ altartig“,„ deutsch“ oder„ bodenständig“, und welcheBräuche damit gemeint sind, entscheidet der Autor Geramb. Den deutsch-nationalen Hintergrund dafür liefert abermals Wilhelm Heinrich Riehl, wenndieser 1859 schreibt:
,, Vielleicht ist keines der großen europäischen Culturvölker lang-samer zu dem Begriff einer gesammten, einheitlichen Nationalitätgekommen, wie das deutsche, aber gerade weil es uns so sauerwurde, das Wort und die Thatsache des deutschen Volkes' zufinden, scheinen wir auch vor Andern berufen, unser Volksthumnachgehends um so gründlicher zu erkennen und um so liebevol-ler zu hegen und zu pflegen." 292
Freilich ist dieser Deutschnationalismus bei Riehl noch ganz von der Ro-mantik gespeist und von nationalsozialistischer„ Praxis" mit den bekanntenAuswirkungen noch einige Jahrzehnte entfernt.
GERAMB LEBEN 46