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Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
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veranlassten. Vieles zur Etymologie und zur Hausforschung erfuhr Ge-ramb z.B. bei seinem Mentor Rudolf Meringer. All diese Erkenntnisse, dieGeramb einerseits aus verschiedenen Nachbardisziplinen aufnahm, an-dererseits durch seine Museumsarbeit und seine vielen Sammlungs- undAufzeichnungswanderungen gewann, konnte er durch seine spätere Habi-litation für, Deutsche Volkskunde auf ein eigenständiges Fachfundamentsetzen und mittels seiner Lehraufträge einem interessierten Hörer( innen)kreis weitergeben.

11. DER WISSENSCHAFTLER GERAMB- SEINVERSTÄNDNIS VON VOLK" UND VON VOLKSKUNDE"

11.1. VOM STAND" ZUM ZUSTAND"

Wie bereits ausgeführt, leitet ein wichtiger Aspekt von Gerambs Selbst-verständnis, seine Affinität zur bäuerlichen Bevölkerung, direkt zu sei-nem Verständnis von Volk" innerhalb der Volkskunde über. So ist fürGeramb Volk" in seinen frühen Publikationen 247 geradezu auf die Bauernbeschränkt. 1910 beispielsweise schließt er in zwei kurzen Artikeln einerZeitungsbeilage ,, die Schichte der Gelehrten, der Techniker, der Künstler,aber auch[...] der Städter, der Bureaukraten, der Fabriksarbeiter und zunft-oder berufsmäßigen Handwerker 248 dezidiert als Subjekte volkskundlicherBetrachtung aus.

Von dieser ständischen Zuordnung des, vulgus"-Begriffes löst sich Gerambjedoch. Der Dieterichsche Mutterboden" umfasst in Gerambs Habilitations-vortrag, mit dem bei Wilhelm Heinrich Riehl entlehnten Titel Die Volkskun-de als Wissenschaft" bereits die naturnahen Schichten, die Bauern unddie Kinder", die das unterscheidende Merkmal des assoziativen Denkensund Fühlens❝249 tragen. Hier wird also die ständische Begrenzung schonaufgeweicht. Geramb geht im selben Vortrag auch noch ein Stück weiter,wenn er über den Hoffmann- Krayerschen, vulgus"-Begriff schreibt:

,, Daß man schließlich mit dem Begriff, vulgus nicht für alle Ein-zelfälle haarscharf operieren kann, daß gelegentlich auch beimgebildetsten Deutschen( wie beim Gebildeten jeder Kulturnation)ein wenig vom vulgus durchschlägt, das halte ich für ein Glück.Denn das beweist doch nur, daß trotz der an sich gewiß bekla-genswerten Spaltung unseres Volkes in naturnahe und in hoch-zivilisierte Schichten doch die Fäden, die die Nation immer nochzu einem Ganzen machen, nicht abgerissen sind.$ 250

Er geht damit in die Richtung, das Vulgushafte" als Zustand zu begreifen,

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