denen Geramb seine theoretisch- methodischen Abhandlungen publiziert,weisen darauf hin, dass sich Geramb durchaus in den internationalendeutschsprachigen Diskurs einbringt und hier auf quasi„ höchster“ Ebenemit den Fachgrößen Deutschlands und der Schweiz„ disputiert“. Gerambswissenschaftliche Äußerungen, vor allem seine theoretisch- methodischenAbhandlungen, finden damit überregionales Echo.
In seiner Studie„ Urverbundenheit", die Geramb in den HessischenBlättern für Volkskunde publiziert, nimmt er Georg Kochs Einführung in diereligiöse Volkskunde,„ Die bäuerliche Seele“ von 1935, zum Anlass, noch-mals an das Ziel volkskundlicher Forschung und mahnend„ an das Gan-ze, seinen Sinn und Mittelpunkt" 260 zu erinnern. Geramb definiert das For-schungsziel der Volkskunde als die Erkenntnis der„ Urverbundenheit“,„ alsdem ausschlaggebenden Moment aller volkstümlichen Erscheinungen" 261„ Urverbundenheit" bedeutet für Geramb„ jene primären, d. h. urgegebenenTotaleindrücke intuitiv logischer Schau, die zum Wesen der Urvölker, aberauch des vulgus in populo 262, des Mutterbodens unserer Kultur-nationen, ebenso wie zu dem des Kindes gehören und zwar- von Anfangan❝263. In der Zusammenfassung seiner damals geäußerten Gedanken er-klärt Geramb„ das wissenschaftliche Studium, d[ as[ h[ eißt] die Erkenntnis,Darstellung, Wertung und Untersuchung dieser Urverbundenheiten für dieVolkskunde" 264 als unerlässlich. Geramb setzt dabei folgende methodi-schen Schwerpunkte:„ Zu den Herkunftsfragen nach dem, Primitivgut Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivgut' undnach dem gesunkenen Kulturgut' muß nun, und zwar als Hauptproblemdas Loslösen des primären urverbundenen Erscheinungskernes aus sei-ner primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Umhüllung hinzutreten.“ 265 Gerhard Lutz beschreibt dieseAbhandlung Gerambs als„ letzte[ r] große[ r] Aufsatz vor der Katastropheund in einer verwirrten Zeit in seiner nochmaligen Zusammenfassung allerAspekte zu einer Schau auf die tiefsten Probleme, die sich unserer Wissen-schaft stellen, von ganz besonderer Bedeutung" 266
All diese teilweise sehr bemühten und kreativen Definitions- und Beschrei-bungsversuche des Gegenstandes und der Aufgaben der Volkskunde kön-nen aus heutiger Perspektive ihr theoretisch- methodisches Ungenügen,ihre mangelnde Präzision nur schwer verbergen. Geramb wird lebenslangdarum ringen, etwas Erahntes, Gespürtes, in der Volkskunde für zentralErachtetes definitorisch in den Griff zu bekommen.
11.2. DIE DEUTSCHE ROMANTIK ALS VORBILD
Geramb betrachtet die„, deutsche Volkskunde" als ein Kind der deutschenRomantik. 267 Starke Anregungen empfängt Gerambs Idee vom„ Volk", wieLeopold Kretzenbacher meint, von den Überlegungen Johann GottfriedHerders( 1744-1803). 268 Geramb möchte sich in seinem Habilitationsvor-trag„ Die Volkskunde als Wissenschaft“( 1924) allerdings auf keine konkrete
GERAMB LEBEN 43