Semestern liest Geramb zu Aspekten des„ geistigen Volksleben[ s]" 207, soz.B. gemeinsam mit Fritz Byloff zu„ Recht und Volkskunde" 208, zu„ Grund-fragen des geistigen Volkslebens" 209, zu Volksglauben und Kult im Jahres-lauf210, zu„ Volksmedizin“ 211,„ Volksdichtung" sowie zu Geburts-, Hochzeitsund Sterbebrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Sterbebrauchtum 212.
Wie den Vorlesungsverzeichnissen jener Zeit zu entnehmen ist, veranstaltetGeramb zu etlichen seiner Vorlesungen auch Exkursionen. 213 Diese laufenzumeist in der Form von gemeinsamen Wanderungen ab und gelten„ Haus,Hof, Geräten und Wirtschaft bäuerlicher Siedlungen" 214, den diversen stei-rischen, meist in der Form von„ Stubenspielen" aufgeführten geistlichenund weltlichen„ Volksschauspielen" 215 sowie an den Brauchterminen denBräuchen, wobei der Kontakt der Studierenden mit den meist ländlichenÜberlieferungsträger( inne) n für Geramb wichtig ist. Die einzige Auslandsex-kursion Gerambs vor dem Zweiten Weltkrieg führt 1936„ zum überwälti-gend gro[ B] artigen Trachtenschau- Fest der bäuerlich- politisch intendierten, Seljačka Sloga' in Zagreb- Agram". Da die Teilnehmer( innen) zahl an denExkursionen vergleichsweise niedrig ist, werden sehr einfache Unterkünftein Landgasthäusern oder Jugendherbergen gewählt, öfter übernachten dieBurschen auch einfach im nächstgelegenen Heustadel.„ Das alles schufeine, Jugendbewegung[ s]'- Atmosphäre." 216 Viele der Studierenden kennendiese Art zu wandern von ihren Jugendbewegungs- Aktivitäten 217. Geramb,der ein großer Freund dieser Bewegung ist, setzt bewusst auf diese Atmo-sphäre. Er vermittelt seinen Studierenden hier Begegnung mit dem„ Volk“als prägendes Erlebnis. Geramb braucht sich nicht auf das glatte Parkettvon Definitionen und Theorien zu begeben, er wird für seine Studierendenstattdessen zu einer Art charismatischem„ Wanderführer", geht ihnen vor-aus zu den Menschen und vermittelt so, was er oftmals schwer definierenkann. Geramb versteht es ausgezeichnet, die Gefühlsebene einer für dieseIdeen groẞteils aufnahmebereiten Jugend anzusprechen.Die„ Volkskundlichen Sprechabende" im Volkskundemuseum darf mansich weniger als diskussionsdurchwirkte Lehrveranstaltungen mit Seminar-charakter vorstellen, sondern eher als monologische Referate Gerambsin kleinem Kreis, bei denen er neu erschienene Literatur bespricht. Dieaufmerksam Zuhörenden können dabei schon an Gerambs Artikulationfeststellen, ob er mit dem vorgestellten Buch und dessen Inhalten einver-standen ist oder nicht: Spricht er strikt hochdeutsch, lehnt er es ab, fällt erzwischendurch in den Dialekt, goutiert Geramb den Text.218
9.3. GERAMBS LEHRE AN DER THEOLOGISCHENFAKULTÄT
Am 18. Dezember 1928 lädt der Dekan der Theologischen Fakultätder Universität Graz, Anton Michelitsch, Geramb ein,„ für die Hörer des
GERAMB LEBEN 36