Phot. Hdt.
Abb. 17. Grabstein, Patriarchat Ipek.
Jahreszahl 178.(?).
Zügen nochmals zu erinnern. In voller Deutlichkeit läßt sicherkennen, daß„ frühmittelalterliche“ oder„ völkerwanderungs-zeitliche" Typen vor allem in den donaunahen Binnengebietenund ferner in Bosnien und Dalmatien beheimatet sind, wosie in besonderer Mannigfaltigkeit sich erhalten haben. Von hiererstrecken sie sich weit durch Montenegro nach Albanienhin und zudem sind die gebirgigen Teile dieser Länder derHort von Schmuckstücken und schmückenden Teilen geradezuvorgeschichtlicher Prägung verblieben. Vorwiegend dem Donau-gebiet gehört die Drahtschmelzarbeit an, die Treibarbeit istallenthalben reichlich entwickelt, weist aber im Binnen-gebiet mehr auf donauländische und osteuropäische, imKüstengebiet- namentlich in Griechenland auf italie-nische Vorbilder. Die reine Filigranarbeit ist vorwiegendauf die Küstengebiete beschränkt, ebenso war hier reichereMannigfaltigkeit in den vorhandenen Schmuckstücken überhauptvorherrschend. In breiter Schicht überzieht endlich der Ge-hängeschmuck der Frauen, allenthalben in Sätzen zur Ziervon Kopf und Brust vereinigt, das gesamte Gebiet, von Ostbis West.
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Die Erklärung und Begründung ist in einer Über-legung der vorhergehenden entwicklungsgeschichtlichen Aus-führungen fast durchwegs von selbst gegeben. Die Verbreitungder ältesten Schmuckformen weist deutlich die Wege stärksterBeeinflussung durch die mit dem Zusammenbruch desOströmischen Reiches hereinflutenden, nordisch barbarischen Glossar ::: zum Glossareintrag barbarischen Kriegerscharen, wie umgekehrt derBlech- und Klapperschmuck im Osten Europas wie in Westasien seit alters ein weites Hinter-land besitzt und im Gefolge der östlichen Einwanderer und Erobererscharen, vorab der Osmanen,hier Ausbreitung gefunden haben dürfte. Auf kunstgeschichtlich nachweisbare Vorbilder des abend-ländischen Glossar ::: zum Glossareintrag ländischen Kunsthandwerkes geht der Drahtschmelz der Donauländer, die Filigran-arbeit der Küsten, wie alle höhere Stilprägung der Treibarbeiten zurück und als Eigenschöp-fung dieser Länder kann somit eigentlich nur das Festhalten, vielfach auch die Rückbildung dereinzelnen Formen zu den wirksamsten, sinnfälligsten, zugleich einfachsten Ausdrucksformenkünstlerischen Empfindens gelten. Vielleicht gerade darum stehen sie unserem gegenwärtigen sosehr nach„ wesentlichen“, d. h. allgemein zu befolgenden Grundsätzen der Arbeit suchenden Kunst-geschmack so sehr nahe. In den Balkanländern ist ihre Formgebung durchaus als Kennzeichenaltartigster Kunstauffassung zu deuten.
Die stilgeschichtliche Beweisführung, daß es sich hier um tatsächliche Zusammenhänge mitalten, Jahrtausende weit zurückliegenden Formen handelt, ist gewiß keine ganz lückenlose; sie fußtjedoch auf einer breiteren Basis, als es zunächst den Anschein haben mag. Hiezu müssen wir unszwei Voraussetzungen mit allen ihren Weiterungen vor Augen halten. Erstlich können wir nachder dargelegten Verbreitung der Typen tatsächlich Ost- und Südosteuropa und selbsteinen Teil Westasiens als ein Schmuck-, um nicht zu sagen Kunstgebiet ansehenund das nicht nur nach dieser Typenverbreitung, sondern auch nach den Verkehrs- und Kultur-beziehungen, die dieses Ländergebiet seit altersher durchsetzt haben.
Kulturgeschichtlich sehen wir ferner auch die„ hohe Kunst" dieser Gebiete, vor allem dieder Kirche, gleichfalls in einer ganz unerhörten Erstarrung Formen wiederholen, dieder frühesten Kunstentwicklung der christlichen Kirche und der orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Kunst angehören.Unter diesen zwei Gesichtspunkten nähern sich die Übergangs- und Zwischenglieder,die wir zeitlich und räumlich bald da, bald dort noch feststellen können im russischen Reichin der Völkerwanderungszeit, in der arabischen Ära u. s. w.- einander ganz wesentlich und könneneben als kulturgeschichtlich zusammengehörige Elemente behandelt werden. Mehr denn als ver-
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