2005, Heft 2-3
Ethnographische Alpenforschung als ,, public science"
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Andere in Natur und Kultur quasi vor der Haustüre seiner Ent-deckung harrte. Innerhalb weniger Jahrzehnte konnte dann- nichtzuletzt durch Zutun der in jener Zeit gegründeten alpinen Vereine undihrer Artikulationsmedien- ein zunächst elitäres Denken und Han-deln große Popularität gewinnen. Blick und Interesse für die natürli-chen und kulturellen Besonderheiten der Alpen begannen Bestandteildes Alltags zu werden, diese zu finden, gestaltete sich zur erlern- undvermittelbaren Kulturtechnik.„, Beobachtungen über Land und Leu-te" wurden zum Gegenstand bürgerlicher Apodemik, und das Deu-tungsparadigma des Alpinen' zur Beschreibung der natürlichenund- was in diesem Kontext wichtig ist- besonders der kulturellenVerhältnisse wurde nicht zuletzt in diesem Kontext konkret undpopulär.
Immer öfter finden sich nun unter den als, alpines Schrifttum'firmierenden Veröffentlichungen dezidiert volkskundlich- ethnogra-phische Inhalte. Das zeigen etwa die ab 1892 durch den Germanistenund Nibelungenübersetzer Ludwig Freytag veröffentlichten ,, Probenaus der Bibliographie des alpinen Volksthums". Was dort wohl kom-mentiert zusammengestellt ist, sind folkloristische Sammlungen imbesten Sinne des Wortes': also Kollektionen von Sagen und Märchen,von altem Wissen und alten Sprüchen sowie Genreprosa aus der Federreisender Literaten und Feuilletonisten. Die Einträge zeigen diefließenden Grenzen zwischen den Gattungen und lassen den„ Erho-lungswert volkskundlichen Wissens" erkennen. Erklärtes ZielFreytags ist es nämlich, den interessierten Alpenreisenden und Berg-
6 Vgl. etwa Kaltbrunner, David: Der Beobachter. Allgemeine Anleitung zu Beob-achtungen über Land und Leute für Touristen, Exkursionisten und Forschungs-reisende. Zürich 1882[ zuerst frz. 1879].
7 Ein Überblick bei Richter, Eduard: Die wissenschaftliche Erforschung der Ostal-pen seit der Gründung des Oesterreichischen und des deutschen Alpenvereins.In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins( fortan abgek.zit. als ZsDÖAV) 25( 1894), S. 1-94. Als Beispiele für Detailstudien Magner,Eduard: Die Hausindustrie in den österreichischen Alpenländern. In: ZsDÖAV22( 1891), S. 195-217; Bancalari, Gustav: Die Hausforschung und ihre bisheri-gen Ergebnisse in den Ostalpen. In: ZsDÖAV 24( 1893), S. 128–174; Pommer,Josef: Über das älplerische Volkslied und wie man es findet. Plauderei. In:ZSDÖAV 27( 1896), S. 89-131; Strele, Richard: Wetterläuten und Wetter-schießen. Eine culturgeschichtliche Studie. In: ZSDÖAV 19( 1898) S. 123–142;Hörmann, Ludwig v.: Vorarlberger Volkstrachten. In: ZSDÖAV 35( 1904), S. 57-76.8 Warneken, Bernd Jürgen: Das primitivitische Glossar ::: zum Glossareintrag primitivitische Erbe der Volkskunde[ in diesemBand], S. 133-150.