großen Engel über ihnen, der das im Sturme flatternde Schweißtuch hält.Sicher umrissen ist das neue Antlitz Jesu auch da zu erkennen.
Die Veronika läßt den Meister nicht mehr los. Als er sich im Juli 1520mit seiner Frau auf eine längere Reise nach den Niederlanden begibt, nimmter unter anderem auch den Stich von 1513 in mehreren Stücken mit undaus den Tagebucheintragungen entnehmen wir, daß er die Veronika öfterals Geschenk gibt. Auch eine gemalte Veronika wird bei dieser Gelegenheiterwähnt. Immer ist das Antlitz Jesu gemeint. Im Winter 1520/21 malt erin der Fremde, um der inneren Vereinsamung Herr zu werden, das ihmvorschwebende Bild. So lesen wir in der Tagebucheintragung 105) vom1. Januar 1521:„ Ich habe ein gutes Veronica- Angesicht von Ölfarben ge-macht ,, darnach habe ich S. Fronica von Ölfarben gemalt, ist besserdenn das vorig." Diese Bilder sind wohl für immer verschwunden.
Das Antlitz Jesu im Geräteschmuck
Im späten Mittelalter, meist im 15. Jahrhundert, wird das hl. Antlitzgelegentlich an liturgischen Geräten, Kleidungsstücken und Vorrichtungenangebracht, die unmittelbar oder entfernt in Verbindung mit dem hl. Mahle( Eucharistie) stehen. Es erscheint auf dem Boden des Meẞkelches 106), derPatene 107), an Sakramentshäuschen 108), an Meßgewändern 100), an derBursa 110), an Hostien- Eisen, die zur Prägung der bildhaften Hostien dienen.In allen diesen Fällen der Ausschmückung wurde das alte Veronika- Bildohne Dornenkrone herangezogen.
2. Veronika hält das Tuch
Wir sahen, daß bereits kurz nach 1400 von zwei Bildern des genanntenVorwurfes eines die Dornenkrone an dem heiligen Antlitze aufwies, dasandere nicht. Man sollte erwarten, daß gerade bei diesem Auftritte, woVeronika den eben erfolgten Abdruck des Antlitzes Jesu zeigt, die Dornen-krone auf dem Schweißtuchbilde durchwegs wiedergegeben sein müßte. Dasist aber nicht der Fall. Die Beharrungskraft eines alten durch eine hoch-verehrte Reliquie gegebenen Bildes ist so stark, daß auch hier entgegeneinem natürlichen Geschehnisse nicht das geschaute Bild, sondern das alt-überlieferte Bild zur Wiedergabe gelangt. Eine aus dem bei Pearson zu-sammengestellten Bildgute gewonnene Zusammenfassung soll zahlenmäßigeinen beiläufigen Durchschnitt veranschaulichen. Von einer Anzahl heraus-gegriffener Bilder Veronika hält das Schweißtuch" sind 46( 14. Jhdt. 2,15. Jhdt. 37, 16. Jhdt. 7) ohne Dornenkrone und nur 18( 14. Jhdt. 0,15. Jhdt. 6, 16. Jhdt. 12) mit Dornenkrone. Zeitlich ist gegen den Ausganghin immerhin eine Zunahme der Bilder mit Dornenkrone zu beobachten.
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105) Lange und Fuhse, Dürers schriftlicher Nachlaß, Halle 1893, S. 148, 149.106) Pearson, S. 46.
107) J. Braun, Das christl. Altargerät, München 1932, S. 236.
108) Johannesberg, Unterfranken, um 1470; R. Bauerreiss, Pie Jesu, München1931, S. 16; St. Peter i. Bochum um 1460: Inv. Westfalen, Bochum- Stadt, Tf. 6.
109) Mannowsky, Der Danziger Paramenten- Schatz, Berlin 1931, ff. 4. Bd.,Tf. 143, Nr. 218, aufgenähte Reliefstickerei in farbiger Seide und Silberlahn- Gold.110) Auf der Bursa des Meßgerätes der Gregor- Messe in Dürers Holzschnitt v.Jahre 1511. Hier hat der Kopf Jesu aus begreiflichen Gründen ausnahmsweise eineDornenkrone.
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