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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
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Eine neue Wendung in der Veronika- Legende

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts bereitet sich eine neue Art gesteigerterFrömmigkeitsbetätigung vor. Bernhard von Clairvaux( 1090-1153) löst mitseiner Forderung, die Leidensgeschichte Jesu mit allen Einzelheiten in denMittelpunkt der Andacht zu setzen, eine große religiöse Bewegung aus, dielange nachwirkt und bis in die untersten Schichten des Volkes dringt. DerGläubige sollte bei seiner Gebetsübung alle Marterszenen, die sich, von denVerhören angefangen, bei dem Leidenswege nach der Richtstätte und bei derKreuzigung abspielten, selbst miterleben, wobei das vergossene Blut Jesuzur erschauten Wirklichkeit werden sollte. Es ist bezeichnend, daß eine ausder Schule Bernhards von Clairvaux gedichtete, an das Haupt Jesu gerichteteHymne gleichsam den Mittelpunkt der neuen Bewegung bildet:

Salve, caput cruentatum,Totum spinis coronatum,Conquassatum, vulneratum,Arundine sic verberatum,Facie sputis illita.

Der Verfasser der deutschen Nachbildung O Haupt voll Blut und Wun-den" ist Arnulf von Löwen und später im 17. Jahrhundert Paul Gerhardt.

Der von Bernhard von Clairvaux ausgelöste Frömmigkeitsantrieb istauch für das hl. Bild in Rom von Bedeutung geworden. Innocenz III.( 1198bis 1216) verfaßte im Jahre 1216 in der Vorahnung seines baldigen Todes einGebet und gewährte jedem, der dieses vor dem hl. Bilde spräche, einenAblaß von 10 Tagen. Man konnte des Ablasses auch dadurch teilhaftigwerden, daß man die Andacht vor einer mit dem Originalbilde berührtenKopie verrichtete. Dadurch erhielt die Verehrung des Veronika- Bildes inRom einen Aufschwung, der sich auf das ganze Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland erstreckte. Nungingen Pilgerzüge von überall her nach Rom zu dem hl. Bilde, wofür die bisin das 13. Jahrhundert zurückreichenden, auf Hut und Mantel geheftetenkleinen, metallenen Wallfahrtsabzeichen mit dem hl. Antlitze Zeugnisablegen. Eine Reihe von Päpsten 19) gewährte fortlaufend Ablässe für dievor dem Bilde verrichtete Andacht der Gläubigen. Erst im Verlaufe des16. Jahrhunderts verliert diese heilige Reliquie in Rom ihre ganz großeBedeutung.

Der stürmische Verehrungs- Einsatz für dieses Bild in Rom verlangteaus den oben angeführten Gründen eine nähere Beziehung zur Leidens-geschichte. Bislang erfolgte der wunderbare Abdruck des hl. Antlitzes aufdas Tuch nach der Legende zu einer Zeit, da der Heiland noch ungestört aufErden wandelte, also vor der Passion. Die öfter genannte Festpredigt desKonstantinus Porphyrogenetus erwähnt bereits eine Legenden- Variante zumAbgar- Bilde, wonach Jesus auf seinem Leidenswege nach Golgatha sein mitblutigem Schweiße bedecktes Antlitz auf ein Stück Leinwand abdrückt, dasihm einer seiner Jünger reicht. Im Westen aber finden wir die Einbeziehungder Bildentstehung in die Leidensgeschichte erst um 1300 in der legenden-

49) Honorius III.( 1216-1227), Innocenz IV.( 1243-1254), Johann XXII.( 1316 1334), Clemens VI.( 1342-1352), Gregor XI.( 1370-1378), Sixtus IV.( 1471-1482),Julius II.( 1503-1513). Bei Pearson, S. 69 ff.

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