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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
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findlich bemerkbar, und man rechnet( 1952) mit einem Bedarf von 20.000Rübenarbeitern, der nur zum Teil gedeckt ist.

Ein anderes Beispiel, wie die Errichtung von Industrien eine bedeutendeSteigerung der Einwohnerzahl bewirkte, die zum Teil aus den nahen sla-wischen Gegenden kam, bietet Angern. Der alte Landadel, der sich bisherauf seinen Grundbesitz stützen konnte, wurde nach der Mitte des vorigenJahrhunderts von einer neuen Macht, dem Geschäftsmann, abgelöst, der, dieErfordernisse und Möglichkeiten einer neuen Zeit erkennend, die Verarbei-tung von Rohstoffen in großem Maßstab in die Wege leitete. Der Gutsherrvon Angern, Graf Kinsky, verpachtete 1858 seinen Besitz an den WienerIndustriellen Roschau, der im Meierhof eine Ölraffinerie einrichtete, worumänisches Öl verarbeitet wurde. Sie brannte einige Male ab, zuletzt 1873,worauf sie nicht mehr aufgebaut wurde. In den Sechzigerjahren gründeteder Berliner Industrielle Rütkers eine Teerfabrik, die nach seinem Todean eine polnische Gesellschaft überging. 1924 wurden die Inhaber wegenBetruges in Strafuntersuchung gezogen, das Unternehmen aufgelassen. 1910verkaufte Graf Kinsky Gut und Schloß Angern den Getreidehändlern Wil-helm und Gustav Löw aus Wischau. Sie errichteten eine Spiritusfabrik, dieheute zu den größten Betrieben der Gegend gehört. 1870 wurde von denmährischen Tuchfabrikanten Löw- Beer die Zuckerfabrik in Ungeraiden amlinken Ufer der March, nur durch den Fluß vom Ort Angern getrennt, er-richtet. Die Rüben führten die Bauern aus Angern und Umgebung zu.

In der Ungeraidner Zuckerfabrik waren viele Angerer als Hilfsarbeiter,Dreher und Schlosser beschäftigt, umgekehrt beschäftigten die Unternehmenin Angern viele Slowaken. Die Angerner Bevölkerung war 1850 noch voll-ständig deutsch. Um diese Zeit kamen die ersten slowakischen Landarbeiterauf die beiden Gutshöfe und mit der Errichtung der Industrien setzte einstarker Zustrom slowakischer Arbeiter ein, die sich auch meist dauerndniederließen. 1870 hatte Angern 496 Einwohner, 1910 schon 1205. 1923 be-kannten sich von 1395 Einwohnern 1262 zum deutschen, 64 zum tschechischen,63 zum slowakischen, 4 zum polnischen und 2 zum ungarischen Volk. Heutesind die Fremdvölkischen zum Großteil abgewandert oder assimiliert. In-folge der Nähe waren die Beziehungen zwischen Angern und Ungeraidenstets sehr rege. Bis 1918 waren Sportler aus Ungeraiden aktiv beim AngererFußball- und Ruderverein tätig, ebenso arbeiteten die Feuerwehren und dieMusikkapellen zusammen.

c) Erdölgewinnung

Bei dem slowakischen Dorfe Egbell trugen manche Tümpel eine Öl-schichte, es gab auch Stellen, wo aus Erdspalten Gas entwich. Es war imJahre 1908, als ein Slowake in seine Heimat nach Egbell zurückkehrte. Erhatte viele Jahre im Erdölgebiet Nordamerikas gearbeitet und setzte sichnun mit seinem ersparten Gelde zur Ruhe. Außerhalb des Dorfes, in derNähe der Bahnlinie Lundenburg- Preßburg baute er sich ein Häuschen undleitete aus einem Gasloch das Gas in Küche und Zimmer, heizte und kochtedamit. Darüber vergingen einige Jahre. Die Egbeller wußten wohl von demeigenartigen Heizstoff ihres Landsmannes, aber sie hielten es für Teufels-werk und machten einen großen Bogen um das einsam gelegene Haus desSonderlings. Er wäre wohl unbeachtet gestorben, der Schatz der Natur wäreunbehoben geblieben, wenn der Slowake nicht eines Tages samt seiner Hütte

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