Druckschrift 
Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

IX. Wirtschaft

1. Landwirtschaft

a) Grundherrschaft und Bauernstand

Die Neubesiedlung der Marchgegend im 11. Jahrhundert erfolgte durcheine Reihe von weltlichen und geistlichen Grundherren, denen der Kaiserdas eroberte Land zur Kolonisierung überließ. Nach den Ungarnkriegenschuf der Kaiser an der March die sog. Ungarische Mark", die er demMarkgrafen Siegfried übergab, der somit als der erste Großgrundbesitzerin unserer Gegend anzusehen ist. Laut Schenkungsurkunde vom 7. Märzund 15. Juli 1045 gehörte ihm ein Gebiet von 238 Königshufen und 35 Hof-stätten, was ungefähr 30.000 Joch entspricht. Eine Urkunde Heinrichs III.vom Jahre 1051, mit der er der Hainburger Kirche den Zehent in der neuenMark schenkte, bezeichnet als Ostgrenze im Norden der Donau die March,als Westgrenze eine Linie, die von der Fischamündung bis Strachotin( Trachtin Südmähren) reicht. Die Urkunde vom 10. Juli 1056, die Schenkung Herrn-baumgartens an das Bistum Passau, spricht von deutlichen Marken( definitasnotas) der ungarischen Grenzen, die also die Westgrenzen der Ungarnmarkangeben 114).

Der in dieser Urkunde angeführte Graf Heinrich hatte das Gebiet vonReinthal, Bernhardsthal und Ebenfelden( Wüstung) nach dem Ungarnfriedenwahrscheinlich von seinem kaiserlichen Onkel zu Eigen erhalten. Nach sei-nem kinderlosen Tode ging das Gebiet über seine Schwester Pilihilt aufden Grafen von Peilstein und Schalla über 115). Das südlich anschließendeGebiet( Rabensburg) finden wir zuerst in landesfürstlichem Besitz dieBabenberger waren nämlich bald in den Besitz des größten Teiles derUngarnmark gelangt dann als Lehen der von Zelking, von denen es 1385an die Liechtensteiner kam. In der Urkunde werden neben Geresdorf( Wü-stung) keine anderen Orte genannt, sondern nur 390 Joch Äcker, Wiesen,Wald, Baum- und Weingärten usw., aber schon im Urbar 1414 gehören zurHerrschaft Rabensburg 24 Dörfer, darunter Hohenau, Ringelsdorf, Absdorf,Palterndorf, Dobermannsdorf, Hausbrunn, Altlichtenwarth, Neulichten-warth( St. Ulrich), die abgekommenen Orte Schönstraß, Rotenlehm u. a.Das Gebiet von Hohenau hatte sich der Kaiser wegen des wichtigen Fluß-überganges Disinfurt in eigener Hand behalten und erst 1067 an das BistumPassau gegeben. Über den Johanniterorden und verschiedene andere Her-ren, u. a. die Kuenringer und Maissauer, gelangte es 1394 an die Liechten-steiner. Die Ortschaften Nieder- Absdorf und Chundorf( Wüstung südlich vonHohenau), die 1045 bzw. 1048 an das bayrische Kloster Nieder- Altaich ka-men, gelangten über die Herren von Falkenberg an Liechtenstein. In Dober-mannsdorf waren die Liechtensteiner schon 1250 Kirchenpatrone, außerdemhatten die Lätschparten und Mauerbacher hier und in Palterndorf Besitzun-gen. Das Gebiet zwischen Zaya und Sulzbach war altes Siegfriedgut 116).Es ging zum Teil über die Grafen von Peilstein an die Pernegger, vondenen es die Kuenringer zu Lehen nahmen. Ende des 14. Jahrhunderts kam

95