6. Verkehr
a) Verkehrs- und Handelswege
Nord- Südverbindungen
Wenn bei unseren Betrachtungen der Wechselbeziehungen zwischenDeutschen und Slawen in erster Linie der Ost- Westverkehr wichtig ist,dürfen wir doch nicht vergessen, daß diese Wege mehr oder minder Sprossenstärkerer Nord- Südverbindungen waren, die schon in prähistorischer Zeitgroße Bedeutung hatten. Besonders eine, die bereits erwähnte Bernstein-straße 138), spielte eine hervorragende Rolle. Die älteste Landkarte unsererHeimat, die des antiken Geographen Ptolemäus, weist einen Straßenzug auf,der von Kanons- Carnuntum nach Norden führt und sich mit einem zweitenöstlichen, von Kelamantis- Komarn ausgehenden Parallelweg bei einem OrteKarrodounon vereinigt. Ersterer würde einem Marchtalweg, der zweiteeinem Waagtalweg entsprechen 139). Sicherlich sind damit die Bernsteinstraßeund die später als„ Böhmischer Steig" bezeichnete kürzeste Nord- Südver-bindung gemeint.
Becker 140) hat versucht, den Verlauf der Bernsteinstraße in Nieder-österreich genau festzulegen. Nach ihm überquerte sie, von Aquileja längsdes Alpenostrandes kommend, bei Carnuntum( Deutsch- Altenburg) dieDonau und nahm ihren Weg über Stopfenreuth, Engelhartsstetten, Groißen-brunn, Breitensee und Oberweiden 141) nach Zwerndorf; am weiteren Ver-lauf lag der 1067 erwähnte Ort„ Stuatpharich", also wie Stopfenreuth ein,, Stutenpferch"( Pferdegestüt), das Zug- und Reitpferde für den Straßen-verkehr bereitstellte. Die Straße lief dann zwischen Ollersdorf und Angern( vielleicht auch über Angern) nach Stillfried, wo die Wehrbauten ebenfallsauf die Straße Bezug haben dürften, weiters nach Grub, in zwei Parallel-wegen nach Dürnkrut und, der heutigen Hochstraße folgend, bis Absdorf.Nördlich Absdorf läßt Becker sie nach seiner Ansicht wegen der ver-sumpften Zaya weit nach Westen ausbiegen und führt sie über Paltern-
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dorf, Dobermannsdorf und Hausbrunn nach Bernhardsthal.
Auf der Bernsteinstraße wurde nicht nur Bernstein und andere Tausch-ware verfrachtet, sie war auch in hohem Maße eine Völkerstraße. Auf ihrist die nordische Kultur der jüngeren Steinzeit nach Niederösterreich in dendonauländischen Kulturkreis eingedrungen, ebenso die nordische Kultur derBronzezeit und damit ihre Träger. Aus der Eisenzeit haben wir Bodenfunde,die ihre Herkunft den regen Handelsbeziehungen mit dem Norden ver-danken 142). In der Römerzeit war die Bernsteinstraße der stete Wanderweggermanischer Stämme.
Die Linie der alten Bernsteinstraße, die am Ostrand des deutschenLebensraums verlief, hielt die Verbindung der Deutschen im Norden undSüden auch dann aufrecht, als sie im Raum von Südostmähren von Slawenüberflutet worden war. Und dies bis in die Zeit des modernen Verkehrs.Es ist bezeichnend, daß die erste Eisenbahn in ihrem Verlauf gebaut wurde.1836 erhielt Rothschild das Privilegium, eine Lokomotiveisenbahn von Wiennach Bochnia( Galizien) zum Transport von Salz, Getreide, Holz, späterauch Kohle und Vieh zu bauen. Mit dem Bau der„, Kaiser Ferdinands Nord-bahn" wurde noch im selben Jahr begonnen. Am 17. November 1837 wurdedie Strecke Floridsdorf- Deutsch- Wagram befahren, im April 1838 reichte
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