V. Brauch und Glaube
Im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der Grenzlandschaft scheinen sich die sprachlich geschie-denen Bevölkerungsgruppen nur geringfügig zu unterscheiden. Der Einflußdes slowakischen Elements ist hier eher stärker gewesen als umgekehrt.Dies dürfte sich daraus erklären, daß in vielen Dörfern an der March diedeutsche Überlieferung infolge der geschichtlichen Ereignisse zeitweiseunterbunden war und daher von den zuwandernden Slawen übertünchtwurde. Dieser Status, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts seinenHöhepunkt erreicht hatte, scheint heute noch dort, wo das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum nichtgänzlich geschwunden ist, das Bild zu bestimmen.
1. Gebräuche im Ablauf des menschlichen Lebens
a) Geburt
Gerade im Familienleben stimmen Bräuche und Vorstellungen beiderSprachgruppen weitgehend überein. So hält man die werdende Mutter, dasungeborene Kind da wie dort für gefährdet. Es heißt z. B., die Schwangeremüsse sich vor dem„ Verschauen"( uhladeni) hüten, etwa vor dem Anblickauflodernden Feuers, weil sonst das Neugeborene ein Feuermal im Gesichttragen könne. Der Schreck über einen plötzlich aufspringenden Hasen könnebeim Kind eine Hasenscharte( gespaltene Oberlippe) hervorrufen. Dies sindfreilich für den Volksglauben naheliegende Analogien, doch stecken hintersolchen Verhaltungsmaßregeln zum Teil auch auf Erfahrung gegründeteErkenntnisse. Früher riet man der Schwangeren jedoch auch ab, im fremdenHaus irgendwelchen Gelüsten nachzugeben, da es dabei leicht zu einer ver-frühten Niederkunft kommen könne. Abschreckend erzählt man von einerFrau, die im Heißthunger von den Zwetschken des Nachbars genascht habe;zur Strafe habe das Kind einen Auswuchs in Pflaumengröße auf dem Kopfgehabt.
Ins erste Bad des Kindes legte man gewöhnlich eine Münze für dieHebamme; auch schüttete man Milch hinein, damit das Kind schön werde.Die Hebamme reichte das Neugeborene allen Hausgenossen zum Küssen( pobozkat zum Bussen), später machte man nur noch das Kreuzzeichenüber dem Kind. Allgemein üblich war es, daß die Taufpatin der WöchnerinHühnersuppe brachte. Das Taufgeschenk war gewöhnlich ein Tauftaler, andessen Stelle heute ein Sparbuch getreten ist.
Groß war früher die Furcht, das Kind könne gegen einen Wechselbalgvertauscht werden. Deshalb, hieß es, dürften die Windeln nicht mittags odernach dem Dunkelwerden aufgehängt werden, weil man damit den Hexen( čardejnice oder polednice) das Vertauschen besonders leicht mache. Mansteckte auch einen Taschenfeitel oder einen Rosenkranz hinter das Wickel-band des Kindes, um sich der Hexen zu erwehren.
Sechs Wochen nach der Entbindung
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,, šestinedělka"( Sechswöchnerinhieß sie deshalb bei den Slowaken ging die Wöchnerin zum ersten Malzum Umgang in die Kirche. Vorher durfte sie sich außer Haus nicht zeigen,
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