4. Bruderschaften
Vollzog sich das Wallfahrertum als sichtbarer Ausdruck frommen Wesensauf dem öffentlichen Schauplatz des Volkslebens, so dienten die zahlreichenBruderschaften der kirchlichen Laienorganisation, mit deren Hilfe eine Ver-tiefung und Festigung des religiösen Lebens herbeigeführt werden sollte.In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es fast in jedem Orte an derGrenze eine solche Vereinigung, z. B. in Palterndorf eine Rosenkranzbruder-schaft, in Hausbrunn und Absdorf eine Christenlehrbruderschaft, in Zisters-dorf und Drösing( schon 1676!) eine Franziszi- Bruderschaft, in Schoßbergeine Kinderlehrbruderschaft( zu der auch Hohenauer gehörten) u. a. DieKasmacherbruderschaft in Rabensburg dürfte wohl in erster Linie einezünftische Vereinigung gewesen sein, da die meisten Rabensburger derSt. Barbara- Bruderschaft in Hohenau angehörten.
Diese Bruderschaft„ zur Erlangung eines seligen Todes" war die be-deutendste an der Grenze, sie umfaßte Mitglieder aus nah und fern. Esgehörten ihr 1726-82 fast alle Hohenauer und Rabensburger an, fernerviele Mitglieder aus Bernhardsthal, Reinthal, Themenau, Feldsberg, Drasen-hofen, Steinabrunn, Poysdorf, Erdberg, Höflein, Drösing, Waltersdorf,Sierndorf, Jedenspeigen, Velm, Stillfried, Dobermannsdorf, Palterndorf,Ringelsdorf, Absdorf, Eichhorn, Zistersdorf, Neusiedl, Prinzendorf, Ranners-dorf, Hausbrunn, Lichtenwarth, Wilfersdorf, Mistelbach, Wulzeshofen; ausMähren: Lundenburg, Nikolsburg, Wisternitz, Saitz, Hustenowitz, Sokitl, But-schowitz, Blischkowitz, Straschnitz, Czistulowitz und Landshut; Schlesien:Groß- Petersdorf, Freiwaldau; Böhmen: Zdanitz, Grulich; Slowakei: Sekule,Schoßberg, Poga, Lossarn, St. Georg. Die Mitgliedsbeiträge flossen in eineLade, wovon die Auslagen für Prozessionen, Wallfahrten, Begräbnisse,Festbeleuchtung der Kirche u. a. bestritten wurden. In dem erhalten ge-bliebenen Sterbebuch der Bruderschaft 98) fand sich ein Mitgliedsschein inslowakischer Sprache. Der Schein ist vierseitig: Auf der ersten Seite einHolzschnitt, der den Kampf der Engel und Teufel um die Seele eines Ster-benden darstellt, darüber steht ,, Bruderschaft zur Erlangung eines seligenTodes", darunter Tag der Einschreibung und Name des Mitglieds. Die zweiteSeite gibt ,, Regel und Gesetz der hochberühmten und altehrwürdigen inRom, Wien, Graz, Prag, Brünn und anderen Hauptstädten, und auch in derehrwürdigen Pfarrkirche zur Auffindung des hl. Kreuzes in Hohenau, inÖsterreich, im Jahre 1726 gegründeten Bruderschaft der hl. Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau undsiegreichen Märtyrerin Barbara, der großen Helferin und Patronin derSterbenden, die derjenige, so eine glückliche Sterbestunde erlangen willund verschiedene heilige Ablässe und geistliche Gnaden zu verrichten hat.Besonders aber zu Hilf und Trost der Abgestorbenen, wie auf baldigeErlösung derer aus dem Fegefeuer". Die dritte Seite enthält die Vorschrif-ten, wann zu beichten und zu kommunizieren ist, was täglich gebetet werdenmuß, daß man die Messe für verstorbene Brüder und Schwestern hören sollu. a. Die vierte Seite enthält die Ablässe, die mit dem Eintritt in die Bruder-schaft, mit dem Besuch einer Messe mit Beichte und Kommunion in Hohenauund mit der letzten Ölung eines sterbenden Mitgliedes verbunden sind.
Als in den Bruderschaften Mißstände auftraten, wurden sie von KaiserJosef II. aufgelöst. Der im Geist der Aufklärung handelnde Herrscher sahsich auch gezwungen, gegen das überhandnehmende Wallfahrtswesen,eigentlich gegen die Ausnützung des Glaubens durch geschäftstüchtige
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