Druckschrift 
Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

po ob subs

IV. Religiöses Leben e

1. Entwicklung der kirchlichen Organisation

M

Die 791 errichtete Karolingische Ostmark gehörte kirchlich zum BistumPassau, doch wurde auch von Salzburg Missionstätigkeit ausgeübt. Die inunserer Gegend lebenden Slawen waren vielfach noch Heiden Glossar ::: zum Glossareintrag  Heiden und mußtenerst für das Christentum gewonnen werden. Eine der ersten Kirchengrün-dungen erfolgte 865 durch den Erzbischof Adalwin von Salzburg 82), derpersönlich in Orth auf dem Besitze des Slawen Chezilo eine Kirche zuEhren des hl. Michael einweihte. O. Mitis 83) vermutet eine Identität mitdem 861 genannten, comes de sclavis Chozul"( Kozel) und daß er oder seinvon den Karolingern protegierter Pater Priwin mit einer Frau aus mächti-gem deutschen Stamme verheiratet war, dem die Bekehrung der slawischenUntertanen besonders am Herzen lag. Analoge Beispiele kennt ja die Früh-geschichte genug. In den Berichten über die Bekehrung der Baiern undKarantanen wird auch erzählt, daß sich nach der Vertreibung der Awarenan ihrer Stelle Slawen und Baiern angesiedelt hätten. Neben den Mark-grafen des frühen 9. Jahrhunderts Golafried und Werinharius ist u. a. auchder Slawe Ztoimir( Stoymir) genannt, der nach der Sage bei seiner Taufeden deutschen Namen Stillfried angenommen hätte und in bayrischenDiensten Burggraf, in partibus Avarorum et Slaworum" geworden sei. Eswird angenommen, daß dieser Stillfried als Erbauer der Burg Stillfriedanzusehen sei.

Der mährische Fürst Rastislaw, dem es gelang, die Abhängigkeit vomFrankenreiche stark zu lockern, wollte sich auch auf kirchlichem Gebieteunabhängig machen. So nahm er die Verbindung mit dem Osten auf undberief 863 aus Byzanz zwei Mönche, Cyrill und Method, die erfolgreich beiden Slawen wirkten, die Bibel ins Slawische übersetzten und dabei eine vonihnen erfundene Schrift( die cyrillische) verwendeten. Cyrill starb in Rom,Method wurde Erzbischof von Mähren und Pannonien, war eine ZeitlangGefangener des Frankenkönigs Karlmann und starb 885, als das Slawen-reich schon in Zerfall begriffen war. Damit zerfiel auch die von den beidenSlawenaposteln geschaffene kirchliche Organisation, das Erzbistum Velehradwurde aufgelöst, und besonders in unserer Gegend setzte sich wieder derwestliche Einfluß durch. di de bizit

Daß das Christentum bei den Slawen nicht sehr tief einwirkte, be-weisen u. a. die Grabfunde in Hohenau und Bernhardsthal( 1932), die nachaltem heidnischem Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischem Brauch Totenbeigaben wie Speise, Trank, Waffen, Werk-zeuge und Schmuck beinhalten. Das dabei in Bernhardsthal gefundeneKreuz aus Blei( 43 X 34 mm) zeigt im Mittelfeld die Darstellung des Ge-kreuzigten mit horizontaler Armstellung in primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver Ausführung. Ähn-liche in Ungarn gefundene Kreuze deuten auf ihre Herkunft aus Byzanzhin, woher ja Cyrill und Method stammten 84). Es ist also leicht möglich,daß die beiden Aposteln auch in unserer Gegend ihrem Bekehrungswerknachgegangen sind.

59