d) Kinderspiel und Kinderreim
Kinderspiele einst und jetzt
Unsere Jugend in der Mitte des 20. Jahrhunderts scheint fast durch-wegs nur den Ball als Spielzeug zu kennen; die Buben sind vom Fußballbesessen, die Mädchen ziehen den Gummiball allen anderen Spielen vor.Selten sieht man sie noch„ Tempelhupfen", und wenn die Buben ohne Fuß-ball sind, dann spielen sie Karten( Schnapsen) oder„ Kreuzer"( krajcari).Anfangs des Jahrhunderts lebte noch die ganze Fülle der verschiedenstenKinderspiele, wie ich aus eigener Erinnerung bezeugen kann.
Kaum hatten Wind und Sonne ein Plätzchen am Zaun trocken gefegt,ging das„ Knöpfeln“ oder„ Anmäuerln" an, wobei der„ Luckerer"( vonlocken) aus einer alten Münze geformt, eine große Rolle spielte. Wie jedesSpiel, konnte auch dieses zur Leidenschaft ausarten, und wie oft war danndie Hose nur auf den Halt einer um den Bauch geschlungenen Schnurangewiesen, wenn sie der Feitel( kudlák) aller Knöpfe beraubt hatte. Instrenger Reihenfolge löste ein Spiel das andere ab.
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Gab die Sonne wärmeren Schein, fing das Kugerlscheiben an, es folgtedas„ Flurltreiben"( Spiranzel); konnte man auch schon auf dem Mäuerlsitzen, kam das„ Stoff- und Vogelverkaufen“ an die Reihe, dann., Jakob,wo bist du?" ,, Opaßt",„ Blinde Kuh“,„ Engerltragen",„ Schneider leih mir dieScher",„ Statuen machen“,„ Nachlaufen“,„ Schwarzer Mann“,„ Räuber_undGendarm“,„ Lämmergeier“,„ Zur Suppe, zur Soẞ!",„ Kaiser, König, Edel-mann",„ Klassenspiel oder Tempelhupfen“,„ Stanerlspiel",„ Aßspiel"( mitdem Taschenmesser),„ Bärentreiben“,„ Floh- oder Ditschkerl-( Gitschkerl-)spiel",„ Pjetschekspiel“,„ Topfschlagen“,„„,„ Stelzengehen“,„ Reifentreiben“,,, Ballestern" und die vielen anderen Ballspiele. Der Sommer brachtegewöhnlich eine Pause, da wir im Fluß und Teich lagen und höchstensNeger Glossar ::: zum Glossareintrag Neger spielten, indem wir uns mit dem schwarzen Schlamm( Gmur slo-wakisch marast) von der Sohle bis zum Scheitel absonderlich bemalten.Jetzt waren die Wasserspiele an der Reihe: Schwimmen, Tauchen, Springen,Stafettenschwimmen u. a. Den Spieltrieb befriedigte auch das Werfen mitflachen Steinen über die Wasseroberfläche( kozybobky= Gaspeperln), durchHochwerfen runder Steine, die mit kurzem Schnalzlaut ins Wasser., tjuck-ten"( Duckantn) u. a. m. Jeden Sommer ertrank jemand. Dann mieden wireinige Tage das Wasser; wir traten nur knapp ans Ufer und riefen inschrillen Tönen:„ Hastrmane, diwane! Hastrmane, diwane!" Es inuf eineHerausforderung an den Wassermann gewesen sein, der nach unserer Mei-nung unseren Spielkameraden in die Tiefe gezogen hatte.
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Der Herbst war die Zeit der Singspiele:„ Mariechen saß auf einemStein“,„ Florian hat gelebet sieben Jahr“,„ Es kamen drei Männer vonNinive",„ Blauer, blauer Fingerhut“,„ Ein Bauer ging ins Holz“,„ Es wareinmal ein Mann“,„ Saterloka gehts ner durch",„ Ist die schwarze Köchinda?",„ Es regnet auf der Brücke" u. a. Im Winter traten der Schlittenund die Schlittschuhe in ihre Rechte. Auch auf dem Eise wurde„ Nach-laufen“,„ Wer fürchtet sich" u. a. gespielt, auch eine Art Hockey kanntenwir schon. Die keine Schlittschuhe besaßen, mußten auf ihren Sohlen oderEiseln über die blanke Fläche rutschen( tschintschern= glsat) oder siebrachten das dünne Eis zum Biegen und Schwanken( Leinwand spannenkožuch), wobei es die unvermeidlichen Einbrüche gab mit nachfolgenderTrocknung bei einem Reisigfeuerl( Lischkerl).
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