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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
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4. Spruch und Spiel

a) Sprichwort und Redensart

Seit jeher war es besinnlichen Naturen gegeben, für ihre Feststellungenbei der Beobachtung des menschlichen Lebens einen prägnanten Satz vollSinnfälligkeit des Ausdrucks und Weisheit der Erkenntnis zu finden, derallgemein Gefallen fand und in den Spruchschatz der ganzen Gegend, ja desVolkes, einging. Soweit die Sprüche Gemeingut einer bestimmten Land-schaft sind, vermögen sie ein bezeichnendes Licht auf den Volkscharakterzu werfen, spiegeln sich doch in ihnen Denken und Fühlen, Gesinnung undTemperament seiner Benützer. Deshalb wollen wir von Sprüchen absehen,die wohl viel gebraucht werden, aber infolge ihrer weiten VerbreitungGemeingut des ganzen Volkes sind, so z. B. Ehrlich währt am längsten.",, Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz." Was du heute kannstbesorgen, das verschiebe nicht auf morgen" u. a. Uns interessieren hier nurjene Sprüche, die nachweisbar im deutsch- slawischen Grenzraum entstandensind oder hier vorzugsweise Verwendung finden. Viele erscheinen im glei-chen oder ähnlichen Wortlaut und Gewand bei Deutschen und Slowakenals Kennzeichnung ihres gemeinsamen Kulturbesitzes.

Vorherrschend sind die Sprüche, die eine Lebenserkenntnis zu erzieh-lichen Zwecken formen.

Wer den Kreuzer( Heller, Groschen) nicht ehrt, ist den Gulden nichtwert."( Kdo si krajcáru nevšime, není zlatky hoden.)

,, Langes Fädchen, faules Mädchen."( Gemeint ist der Zwirnfaden beimNähen, früher Garnfaden beim Spinnen.)

,, Nedbalec horší jak ožralec."( Der Nachlässige ist ärger als der Trun-kenbold.)

,, Jung gewohnt, alt getan".

,, Wer lügt, der betrügt, wer betrügt, der stiehlt, wer stiehlt, kommtauf den Galgen."

,, Stehkragen, nix im Magen!" eine Neuprägung des Sprichwortes: Aus-sen hui, innen pfui!" Der Slowake sagt dafür: Kerá kráva moc ruká,málo mléka dává."( Die Kuh, die viel röhrt, gibt wenig Milch) oder Parádana ulicí, hovno v truhlicí."( Parade[ Pflanz] auf der Gasse, Dreck in derTruhe.)

,, Geduld bringt Rosen"( der Volkswitz ergänzt: mit der Zeit zerrisseneHosen").

,, Arbeit macht das Leben süß."( Faulheit stärkt die Glieder", so derVolkswitz.)

,, Arbeit, Mäßigkeit und Ruh, schließt dem Arzt die Türe zu.",, Salz und Brot macht Wangen rot"( ,, Butterbröter machen sie nochröter!")

,, Essen und Trinken hält Leib und Seel' zusammen."

,, S Wei' kann in Firta mehr furttragen, als da Mon mitn Zwiespannereinführn kann.( Žena v zástery vic vynosí, jak muž v měchu[ im Sack]zanosí.)

Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht."( Tak dluho saide s žbanem ke studni, sa rozbije.)mob

,, Alle Tage is net Kirtag."( Každy den nejsu hody.)

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