„ Federn", deren Vorformen wir allerdings zwar auch nicht kennen, sie uns aber dochwohl anders vorstellen müssen. Schon aus konstruktiven Gründen stehen jedenfalls dieStreichvorrichtungen unserer Flügelarln den schmalen wechselweise umsetzbaren Streich-stangen oder-scheitern der Kehrarln im Sinne H.-C. Dosedlas viel näher 172 alsdie der Federarln, bei denen sich beides wie wir zeigen konnten sogar unter ge-wissen Modifikationen kombinieren ließ. Alle drei letztlich sehr verschieden konstruier-ten und wirkenden Streichvorrichtungen sind ja bis heute leider in ihrer Genese nochvöllig ungeklärt. Mit ihrem gestreckt- geraden Zugbaum oder Grindel, den seitlich an-gesetzten, massiveren Streichflügeln und der Hinzunahme eines umsetzbaren„ Teil-eisens" unterscheidet sich die Gurktaler Flügelarl oder Bauarl jedenfalls nicht uner-heblich von der Federarl des Nockgebietes und in einem weiteren Sinne auch von derOberkärntens überhaupt.
Die Beispiele
6.1 Flügelarl( bauårl) aus Pirka bei Meiselding am Krappfeld( Nr. 65); aufgenom-men vom Verfasser im Mai 1969 beim vulgo Felsbacher( Abbildung 25).
Anläßlich von Aufmessungsarbeiten an dem sehr altertümlichen Rauchstubenhausdieses mittleren Bauernanwesens in Pirka konnte ich aus dessen altem und lange Zeitaußer Gebrauch stehendem Hofinventar auch die vorliegende, schon stark verrottete„ Bauarl" samt ihrem„ Gröt", dem Radvorgestell, aufmessen und fotografieren, die ansich noch vollständig mit allem Zubehör erhalten war. Arl und Vorkarren( gröt) zeigenstarke Spuren der Abnutzung und stammen mit Sicherheit noch aus dem 19. Jahr-hundert. Ihr desolater Zustand war nicht zuletzt die Folge, daß sie offensichtlich seitlängerem im Freien jeder Witterung ausgesetzt gewesen waren, und schloß eine Er-werbung für das Museum zur weiteren Erhaltung von vorneherein aus. Das ziemlichgroße Gerät scheint zuletzt als sogenannte„ Häufelarl" für den Kartoffelbau verwen-det worden zu sein. Jedenfalls waren an ihm zwei im Winkel zusammengenagelte,feste Streichbrettchen sehr behelfsmäßig angebracht, die über die Griessäule gehängtund senkrecht auf den hinteren Flügeln festgenagelt waren. Wir haben hier jedoch diesessichtliche Provisorium in unserer Zeichnung sowie auch in der Beschreibung unberück-sichtigt gelassen.
Das Gerippe der Arl selbst erscheint fürs erste durch seine völlig geraden, langge-streckten und dabei verhältnismäßig schwach bemessenen Bauglieder im vierseitigenGefüge gekennzeichnet. Die merklich nach hinten geneigte Sterze( habl) ist an ihremFuß 88 cm stark und 111 cm hoch. Sie weist einen Grindelschlitz von 12 cm Spiel-weite bei 53,5 cm mittlerer Bodenhöhe sowie hinterseitig einen Stabgriff( någl) in 69 cmBodenhöhe auf. Ihre Säule ist mit drei Bandschellen eingefaßt, deren unterste, stärkstein etwa 23 cm Bodenhöhe sie mit Winkeleisen und Seitbändern an ihrem Sohlsitzverstärkt und stützt. Oben endet sie auch in diesem Falle in einem deutlich abgesetzten,für ganz Innerkärnten eben typischen Griffknauf( Abb. 25, Fig. 1).
Die unten maximal 10 cm breite Griessäule ist im Aufgehenden 95 cm lang undgleichfalls merklich vorgeneigt und erreicht hier nahezu die Höhe der Sterze. Sie sitztmit ihrer vollen Stärke( 10 X 3 cm) in der Vordersohle und wird dabei von hinten durchein Winkeleisen mit treppenförmigen Ansätzen abgestützt. Bei den Federarln stehtdiesem ein vorne auf dem Streichbrett befestigtes, zugedrehtes Band gegenüber( vgl. Abb.19, Fig. 1). Der Oberteil der Griessäule verschmälert sich etwas und hat eine griff-
172 H.-C. Dosedla, Pflug und Arl in Österreich( OVA Lfg. 6/1), Kommentar S. 38-40( Typ 1.4.1).
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