DIE EINZELNEN GERÄTETYPEN
Bei diesem Kennwort„ einfache Federarl" handelt es sich nun nicht bloß um einesprachlich- terminologische Fixierung, sondern weitgehend um einen typologischen Be-griff, den zwar schon Karl R ha mm verwendet hat 53, der aber doch einer näheren Ab-klärung bedarf und der uns zugleich an den umfangreichen und verwickelten Fragen-bereich möglicher Typologien und Klassifikationsversuche in der Pflugforschung über-haupt heranführt. Gewiß ist hier nicht der Ort, auf derlei Dinge auch nur in Um-rissen einzugehen 54, doch bedarf selbst jeder kleine, neue Ansatz in dieser Richtungzumindest einer rudimentären überlegenden Grundlegung, um als solcher für Zweckeder vergleichenden Forschung brauchbar zu werden 55. Eine entscheidende Voraus-setzung für ein derartiges vergleichendes Vorgehen stellt in unserem Bereich konkretvorgegebener Objektivationen eben die Typenbildung dar. Schon ein erster, auchnur flüchtiger Überblick über die vorhandenen Sachbestände legt ja deren Einteilungund Zuordnung nach formal typologischen Merkmalen nahe, soweitsolche je einer bestimmten Type oder Grundform unserer Geräte zuzurechnen oderangemessen sein werden. Ein solches typologisches Vorgehen nach gestaltlichformalenGesichtspunkten allein hat sich freilich in der Pflugforschung nur sehr begrenzt be-währt. Es gilt vielmehr, jedes fragliche Untersuchungsobjekt in seinem spezifischenund jeweils relevant erscheinenden Kontext zu sehen und festzulegen 56. Jede for-male Typologie ist daher notwendigerweise auf die zugehörigen Funktionen ihrerObjekte verwiesen, die dafür entscheidende Vorkriterien bilden und nicht übergan-gen werden können. Andererseits wird man gerade auch funktionelle Aspekte an einemGegenstand ohne typisierende Begriffsbildung und ohne eine gewisse Prägnanztendenz,bei der bestimmte, zu veranschaulichende Sachrelationen eben mit einer gewissen All-gemeingültigkeit verknüpft werden, nur schwer begreiflich und faßbar zu machen ver-mögen. Zusammen mit der von uns postulierten Einschränkung auf das Exemplarischescheint mir also ein solches Vorgehen nach jeweils festgelegten Gerätetypen am ehestenzielführend.
53 Karl Rham m, Beiträge II/ 1, S. 977-985 und öfter.
54 Vgl. dazu etwa die zusammenfassenden Hinweise bei Iván Balassa, Die Haupt-typen der Holzpflüge in Ungarn. In: Getreidebau in Ost- und Mitteleuropa, Budapest 1972,S. 442 f.; H.-C. Dosedla, Pflug und Arl in Österreich( OVA, Lfg. 6/1), Wien 1977, Kom-mentar, S. 3.
55 Vgl. Åke Hultkrantz, General Ethnological Concepts, vol. I, Copenhagen 1960,p. 48-51 s. v., Comparative Method'; ferner die grundsätzlichen Überlegungen zur„ typologischvergleichenden Methode" bei Helge Gerndt, Die Anwendung der vergleichenden Methode inder Europäischen Ethnologie. In: Ethnologia Europaea X/ 1, Göttingen 1977/78, S. 2-32, hierbesonders S. 12 f. H. Gerndt spricht von der typologisch vergleichenden Methode, die dieErarbeitung allgemeiner Gesetze und Regelmäßigkeiten und einen Überblick über die Varia-tionsbreite kultureller Phänomene erstrebt( s. a. Hultkrantz, S. 50 sub b), und betont beider Vielzahl möglicher Differenzierungsversuche allgemein:„ Eine objektivierbare d. h. anderenvermittelbare- vergleichende Methode läßt sich nicht, freischwebend' ohne jeden Bezug aufdie prinzipiellen menschlichen Erkenntnismöglichkeiten bestimmen“( S. 13).
-
56 Dazu Helge Gerndt, Die Anwendung der vergleichenden Methode, ebenda S. 16 f.
23