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Riß und Arl im Kärntner Nockgebiet : ein Beitrag zur Topographie der altständigen Pfluggeräte in den südlichen Ostalpen
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einem Stemmloch den Hinterbaum trägt, der hier oft zusätzlich durch Beschläge undWinkeleisen gestützt wird( Abb. 11, Fig. 8). Ihr Mittelteil ist meist dünner zugeschnit-ten und dadurch häufig bodenfrei. Das Vorderende der Sohle oder Sohlhaupt ist vomSitz der gleichfalls eingestemmten Griessäule an gleichmäßig schräg nach unten abge-nommen und dient als Auflager für die beiden brettartigen Streichfedern( Abb. 11,Fig. 4 und 5). Diese stoßen hier bündig zusammen und sind mit schräg gesetzten Holz-dübeln bzw. Eisennägeln festgenagelt, ragen aber über das Sohlenende noch 12-20 cmhinaus und nehmen ihrerseits die Schar auf( Abb. 11, Fig. 3 und 16).

Dieses charakteristische Gefüge des Pflughauptes der Nock- Arln mit seiner langenund flach ansteigenden, auf die Sohle aufgesetzten und am Ende gegabelten Streichvor-richtung( vgl. Abb. 3) wird man konstruktionsgeschichtlich wohl nicht zur paddel-förmigen Steilschar" prähistorischer Geräte etwa vom sogenannten Typ Dabergotz" 181nach F. Šach in Verbindung bringen können 132. Es könnte die Anbringung der flachenStreichfedern auf der Oberseite des Sohlhauptes indessen ein letzter Anhaltspunkt da-für sein, daß diese ursprünglich ein Scharbrett" aus einem Stück oder eine naturge-wachsene Astgabel gewesen sind. Schon Hanns Koren hat seinerzeit darauf verwie-sen, daß derartige naturgewachsene Zurichtungen besonders bei südeuropäischen Pflügenhäufig vorkommen 133, wofür es im übrigen sowohl in Oberkärnten 184 wie in Unter-kärnten, hier besonders an den Arln des Lavanttales, vielfache Belege gibt. So verwen-det man z. B. im Bergland um St. Andrä i. Lav. kräftige, schenkeldicke Aststrünke vomRumpf der Apfelbäume als naturgewachsene, gegabelte Streichklötze, die auf das starkverdickte Sohlhaupt der dortigen Arl aufgedübelt werden 185. Bei derlei vergleichendenUmsichten müssen wir freilich zuvörderst anmerken, daß sich nach unseren Beobachtun-gungen in ganz Innerkärnten und vorab im Kärntner Nockgebiet an der Arl ausnahms-los nur das vorhin beschriebene zweiteilige Brettgefüge für das Pflughaupt findet, einein ihrer Konstruktion und Zurichtung eigenartig standardisierte und spätzeitlich an-mutende Form, deren Vorgänger oder Vorformen wir regional in keinem Falle belegenkönnen. Mit ihr erweist sich unsere Nock- Arl noch vor ihrer Adaptierung mit einem um-setzbaren Streichbrett zur Kehr- Arl als ein relativ hoch entwickeltes, spezialisiertes Ge-rät, das besonders für seichte und sandige, stark vergraste Böden geschaffen scheint unddas andererseits in seiner feingliedrigen Durchbildung aller Einzelteile ähnlich früh-vollendet wirkt wie manche verwandte Pflugtypen des Eisack- und Etschtales in Süd-tirol.

6. Der Senk- Grindel

Zu f) Das zuletzt Gesagte trifft ebenso für die scheinbar eigenwillige Zurichtungdes Grindels( årlbam, bam) der Nock- Arl zu( s. Abb. 11, Fig. 1). In deutlichem Ge-

131 František Šach, Proposal for the classification, Tools and Tillage I: 1, Copenhagen1968, p. 14 IX; Ulrich Bentzien, Der Haken von Dabergotz, ebenda S. 50-55.

132 An eine solche Zuordnung scheint H.-C. Dosedla, OAV Lfg. 6/1, Kommentar S. 37( Typ 1.3.4), bei der Federarl unseres Gebietes zu denken.

133 H. Koren, Pflug und Arl, S. 243-245 mit Abb. 23 und 24.

134 Vgl. Oskar Moser, Die Stangenarl". In: Festschrift f. Wilhelm Hansen, Münsteri. W. 1978, S. 140, Pkt. 2.1 bis 2.3.

135 Nach eigenen Aufnahmen 1953 in Pölling ob St. Andrä im Lavanttal. Auch die Zu-richtungen weststeirischer und nordslowenischer Arln erinnern an diese Gestaltung der Arlsohlebzw. des Pflughauptes; vgl. Hanns Koren, Pflug und Arl, S. 53 mit Abb. 15( Großwalz) undS. 54 mit Abb. 16( Soboth); Boris Orel, Ralo na Slovenskem. In: Slov. Etnograf VIII, 1955,Taf. III, Abb. 3 und 7( Arl aus Matkov Kot bei Solčava/ Sulzbach und aus Lobnik/ Lobnig beiEisenkappel/ Železna Kapla), p. 39, Abb. 3( Arl aus Luče/ Leutsch, Sanntal) usw.

4 Moser, Riß und Arl

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