B) Die einfache Federarl
( årl, bauårl oder federårl)
Die Grundform der Arl im Nockgebiet Innerkärntens ist eine regional begrenzte,deutlich differenzierte Ausformung des ostalpinen, symmetrisch gebauten vierseitigenSohlpfluges der Arl mit durchgehender Karren- Anspannung, der sich in derselben Artsonst nirgendwo wiederfindet. Sein äußeres Erscheinungsbild haben wir bereits in derEinleitung vorangestellt( Abb. 3); die konstruktiven Einzelteile, aus denen sich dieseFederarl zusammensetzt, zeigt unsere Zeichnung Abbildung 11, Fig. 1 bis 16, der die-selbe Federarl aus St. Oswald ob Kleinkirchheim( Nr. 37), nach einer genauen Auf-messung in ihre sämtlichen Teile zerlegt, zugrunde liegt.
Eine von Bestandteil zu Bestandteil vergleichende Durchsicht aller uns bekanntund zugänglich gewordenen Arln oder Arlfragmente dieser Landschaft führte uns zudem bündigen Ergebnis, daß diese alle(!) in ihrer spezifischen Struktur bis in Einzel-heiten übereinstimmten und sich so als eng verwandt erwiesen. Andererseits aber zeigtediese Analyse im Vergleich, daß sich an den Grenzen des Nockgebietes, vor allem jen-seits derselben gerade in solchen Einzelheiten deutlich registrierbare Veränderungenoder Abweichungen ergaben, auf die noch einzugehen sein wird. Damit bietet sich daseinstmals geschlossene Verbreitungsgebiet der Ringhöfe zugleich sehr deutlich auchals eine geschlossene und einheitliche Formenlandschaft der ostalpinen Arl dar, an sichnoch klarer und eindeutiger, als etwa beim einfachen Stangenriß. Dies im einzelnenoffenzulegen und zugleich zu erhärten, ist Aufgabe und Ziel des nun folgenden.
Wir haben bereits eingangs darauf hingewiesen, daß man seit Johann Burgerd. A.gewisse Eigentümlichkeiten in der Pflugtechnik unserer Landschaft erkannt hatte biszu den wertvollen Beschreibungen durch Oswin Moro vor annähernd 50 Jahren. Eindirekter Zusammenhang zwischen dieser Pflugform und der Höfelandschaft ist bis-her allerdings nicht ausdrücklich festgestellt worden. Der eigentliche Entdecker dieserPfluglandschaft aber, im Sinne ausgreifender vergleichender Sachforschung, war frei-lich der weitgewanderte Karl Rhamm( 1842-1911), der das Nockgebiet mit seinenRinghöfen schon vor 1900 besuchte und sich im besonderen auch den Ackergeräten zu-wandte 86. R hamm versuchte vor allem die wechselnde Zurichtung der Arl in Kärntenlandschaftlich abzugrenzen, ohne freilich zu einer genaueren typologischen oder räum-lichen Gliederung zu gelangen 87. Während er dabei in seiner Textdarstellung eherverallgemeinernd vorgeht, zeigen die von ihm festgehaltenen Skizzen und Gerätebe-schreibungen, daß er hier weniger das Nockgebiet selbst als dessen Randlandschaf-ten, insbesondere das Liesertal und das Gurk- und Görtschitztal erfaßt hatte 88, wo-zu er dann feststellt:
" Zugleich tritt die årl in den deutschen Gebirgen von Kärnten in einer Gestaltauf, die an Ursprünglichkeit kaum etwas vermissen läßt, was sich hauptsächlich
86 Über Karl Rhamm und seine Beziehungen zu Kärnten vgl. August von Jaksch,Nachruf auf Karl Rhamm, in: Car. I 1912, S. 147-158; Viktor von Geram b, KarlRhamm, Urzeitliche Bauernhöfe in germanisch- slawischem Waldgebiet. Ein Buchauszug. In:Zeitschr. f. Volkskunde 26, Berlin 1916, S. 385 ff.; Bruno Schier, Karl Rhamm( 1842-1911) Wegbereiter der volkskundlichen Kulturraumforschung. In: Rhein.- westfäl. Zeitschr. f.Volkskunde 9, Bonn/ Münster 1962, S. 1-18, hier besonders S. 8.
87 Karl Rham m, Beiträge II/ 1, S. 985-989.
88 Ebenda Tafel II, Fig. 6( Kirchbach im Görtschitztal), Fig. 7( oberes Gurktal), Fig.10 a/ b( Umgebung Gmünd im Liesertal), Fig. 11( ebenda). Identisch mit diesen ZeichnungenRhamm's auch Richard Braungart, Die Urheimat der Landwirtschaft, Heidelberg 1912,Fig. 109-111.
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