Druckschrift 
Riß und Arl im Kärntner Nockgebiet : ein Beitrag zur Topographie der altständigen Pfluggeräte in den südlichen Ostalpen
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

rer wiegt, daß R hamm hier nur mit dem Wort, nämlich mit der Bezeichnung baum",operiert, die Sache aber ganz außer betracht läßt, von der aus sich ihm doch wichtigeFormkriterien für eine genauere Unterscheidung angeboten hätten 105, vor allem auchwesentliche Korrekturen der von ihm durch wenig sachvertraute Dritte gebotenen Um-zeichnungen auf Tafel II etwa. Hier treffen bei den aus Kärnten übernommenen Auf-nahmen von Arltypen die starr linearen Grindelformen etwa bei Fig. 7, 10 a und 11kaum annähernd die Wirklichkeit, scheiden also für einen kritischen Vergleich dieseswichtigen Pflugteiles aus. Die Besonderheit des hinter der Griessäule stets mehr undminder deutlich abgesenkten Hintergrindels oder Senkgrindels bei den Nock- Arlnwurde bisher allerdings gar nicht erkannt; auf diesen muß daher im folgenden noch nä-her eingegangen werden( siehe unten Pkt. 6: Der Senkgrindel").

3. Pflughaupt und Streichvorrichtung

Zu c) Bei allen Pflügen gehören Pflughaupt und Streichvorrichtung zu den wich-tigsten, weil für deren Gestalt und Wirkungsweise weitgehend bestimmenden Faktoren.Rhamms feines Gespür für solche Sachzusammenhänge förderte diesbezüglich zahl-reiche und oft erstmalige Wahrnehmungen ans Licht, die nur leider durch seine genia-lisch willkürliche Namengebung und Terminologie stark beeinträchtigt werden 106. Ge-rade bei zweiseitig wirkenden Pfluggeräten bedarf es hier aber minutiösester Exakt-heit nach den Sachverhalten wie auch nach deren Nennstruktur. Karl Rhamm stelltsehr zutreffend fest, daß man sich in den bergigen Lagen, wo der Abhang den Wurf( sc. der Ackererde) bergab unterstützt und nach oben überhaupt nicht geworfen wer-den könne, bei der Arl der Gegend von Gmünd mit den( zuweilen noch dazu sehrdünnen) federn behilft" 107. Oswin Moro findet später in St. Oswald noch zweiZurichtungen der Arl, davon eine nur mit Federn(, Arlfedern') so nennt man dasBrett, das sich, vorne mit dem, Arling'( Pflugschar) versehen, nach hinten und obenin zwei ausweichende Arme gabelt_" 108, und beide Gewährsautoren dokumentierendiese Art von Streichvorrichtungen sehr eindeutig durch ihre Abbildungen der betref-fenden Arlform 109. Rham m freilich bezeichnet jedes zur Arl gehörige feste Streich-brett", vom tirolischen Passeier angefangen, als Feder" und übernimmt damit eine inTirol wie in Kärnten fallweise übliche Bezeichnung für die Streichvorrichtung, ohnediese jedoch sachlich ausreichend genau festzulegen 110. Wieder aber kann nicht ein mehr

105 So vor allem der Unterschied zwischen dem an seinem Hinterende regelmäßig abge-senkten Grindel( årlbam) der Arln im Nockgebiet und dem geraden Arlbaum Unterkärntens( nähere Details folgen unten).

106 Zu Karl Rhamms berühmter Sprödigkeit in der Darstellung vgl. zuletzt BrunoSchier, Karl Rhamm( 1842-1911). In: Rhein.- westfäl. Ztschr. f. Volkskunde 9, Bonn/Münster 1962, S. 6 f.

107 K. Rham m, Beiträge II/ 1, S. 987.

108 O. Moro, Volkskundliches, S. 256.

109 K. Rham m, Beiträge II/ 1, Tafel II, Fig. 10 a- b; O. Moro, Volkskundliches,S. 255, Fig. 1-2.

110 K. Rhamm, Beiträge II/ 1, S. 980, geht in der Überbewertung und Verallgemeinerungdes Terminus feder" bei der Arl sicher zu weit, wenn er damit zusammenfassend folgender-maßen argumentiert: Wir haben gesehen, daß das Streichbrett, insbesondere das Doppelstreich-brett( sc. an der Arl), über unser ganzes Gebiet hin den Namen federn führt. DerselbeName zieht sich bis nach Kärnten, wo er aber in Unterkärnten bei der dort erhaltenen ur-sprünglichen Gestalt der arl zur Bezeichnung der das Doppelstreichbrett vertretenden zweiarmsdicken geschwungenen Streichhölzer dient. Da nun der Ausdruck federn auf dieseGabeln sehr gut paßt, dagegen auf das Doppelstreichbrett gar nicht, so kann man nicht zweifeln,

41