einfachen Stangenrissen. Für die Haltung des Pflügenden beim Anreißen der Furchenkonnte die Sohlenkonstruktion also kaum von Bedeutung sein 73.
Bei diesem Furchenvorschneider mit Sohlenbogen handelt es sich zweifellos umein seltenes und bemerkenswertes Pfluggerät. Daß es kein vereinzelter Zufallstyp odereine individuelle Einzelerfindung sein kann, sondern eben ein besonderer, selbständi-ger Gerätetyp, scheint sich mir aus dem Vergleich mit den Riẞ- Funden im oberstensteirischen Murtal zu erhärten. Hier ist zunächst auf den Stangenriß mit bogenförmi-gem Sohlholz im Murauer Heimatmuseum zu verweisen( vgl. oben 2.2 und Abb. 5,Fig. C), der formal und funktionell wie eine Vorform zu unserem Sohlenbogenriẞaus dem Maltatal anmutet. Noch deutlicher wird diese Verwandtschaft jedoch an einemGerät erkennbar, daß Hanns Koren im Jahre 1938 am Zillberg beim vulgo Karneraufgefunden hat, also nur 10 km westlich von Murau, und das sich jetzt in der Ge-rätehalle des Steirischen Volkskundemuseums in Graz befindet( Nr. 24) 74. Es handeltsich um ein Gerät von durchaus analoger Konstruktion wie bei dem Fund von HelmutPrasch aus dem Maltatal, dessen genaue Beschreibung bereits Koren vorgenommenhat 75, dessen zeichnerische Wiedergabe dort freilich manches zumindest in der Ver-kleinerung durch den Druck offen läßt 76. Wir stellen daher eine eigene maßstäblicheAufnahme dieses obersteirischen„ Riß“ aus der Gegend von Murau der Abbildung desMalteiner Gerätes gegenüber( s. Abb. 6, Fig. A). Auffallend ist die Kürze des Reiß-messers am steirischen Riß; sie bestätigt, daß diese Bauweise des Gerätes auf die Ar-beitshaltung des Pflügers jedenfalls keinen Einfluß haben konnte. Ebenso scheint dieAusbildung des oberen Sterzenendes, wie ich annehmen möchte, nicht mehr original zusein. Die Sterze hatte hier jedenfalls ursprünglich zwei hintere Griffstäbe übereinanderund wahrscheinlich auch einen Knauf als Abschluß, der abgebrochen sein dürfte. Derspäter von oben in die„ zu einer Hülse ausgehöhlte Säule"( Koren) eingesetzte Griff-stock( aus Haselholz) ist jedenfalls konstruktiv fragwürdig, schon weil die Anbohrungdes Hirnholzes das Ganze zu sehr schwächt und den Sterzenbaum von obenher auf-sprengen muß. Wichtig ist dabei, daß sich aus diesem Befund jedenfalls ein relativ ho-hes Alter für das steirische Gerät ableiten läßt, was die diesbezüglichen ErhebungenHans Korens noch ergänzen könnte, der nach seiner Befragung des ursprünglichenBesitzers 1938 bereits„ fünfzig Jahre seit dem letzten Arbeitstag des alten Dinges ver-gangen sein" läßt 77, d. h. den Gebrauch des obersteirischen Riß ähnlich wie OswinMoro im Nockgebiet bis um etwa 1880 ansetzt; das sicher von einem ländlichen Wag-ner hergestellte Gerät aus dem oberen Murtal dürfte mithin wohl aus dem früheren19. Jahrhundert stammen. Unsere Vermutung, daß beim Riß aus Zillberg bei St. Geor-gen ob Murau die Sterze ursprünglich anders ausgesehen haben muß, stützt sich nichtzuletzt auf den Vergleich mit den beiden anderen Stangenrissen im HeimatmuseumMurau, die beide die in Kärnten übliche Sterzenform mit zwei Griffstäben übereinander,die von hinten in die Säume eingebohrt sind, und mit einem Griffknauf als Abschlußhaben( s. Abb. 5, Fig. C).
4. Der Sterzenbogenriß: Außerhalb des engeren Verbreitungsgebietesder Ringhöfe in den Nockbergen liegt auch die folgende erweiterte Konstruktions-
73 Dagegen meint Helmut Prasch, ebenda S. 49, durch die„ aufgedoppelte Sohle amJochbaumende, die beim Faschauner am Maltaberg bereits eine Gleitkufe ist, brauchte der Bauerweniger gebückt nachzugehen“.
74 Steirisches Volkskundemuseum, Graz, Inv. Nr. 8759.
75 Hanns Koren, Pflug und Arl, S. 42 und 166 f.
76 H. Koren, ebenda S. 41, Abb. 10; H.-C. Dosedla, OVA Lfg. 6/ I, Blatt 100,Abb. 3.2.
77 H. Koren, ebenda S. 166.
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