A) Furchenvorschneider
( reißmesser, reißeisn, Riẞ)
Furchenvorschneider sind Pfluggeräte von meist einfacher Bauart, die als gespann-gezogene Geräte den zu beackernden Boden lediglich senkrecht an- oder vorschneiden.Im Vergleich mit vollwertigen Pflügen fehlt ihnen also der wichtigste wirkende Arbeits-teil derselben, nämlich die horizontal schneidende, den Boden aufbrechende und an-hebende Schar und deren Trag- und Führungselement, die Sohle. Ihre Verwendungsteht sicher in einem ursächlichen Zusammenhang mit alten Anbausystemen wie etwader sogenannten Egartwirtschaft und deren häufiger Notwendigkeit des Brachpflügens.Hier vor allem dienten sie als Vorpflug, und zwar stets in Verbindung mit der sech-losen Arl. Ihr wichtigster Arbeitsteil ist ein sechartiges, nach unten in die Zugrich-tung gestelltes Eisen mit Schneide, das am Hinterende eines meist bis zum Gespann-joch reichenden Baumes, eines gleich bespannten einfachen Pfluggerippes oder einesKurzgrindels mit Vorkarren angebracht ist. Außerdem haben alle diese Geräte einenstehenden Hinterbaum, der wie eine Pflugsterze als Heb- und Haltevorrichtung fürden Baumann dient. Schon Hanns Koren hebt hervor, daß diese Vorschneidgerätestratigraphisch sozusagen den Kernraum, das Mittelstück des ostalpinen weiteren Ver-breitungsgebietes der Arl einnehmen, mithin„ auch sachlich als Kern- und Urgebietdes Arllandes erscheinen" 57. Koren selbst weist deren einstiges Vorkommen im stei-rischen Obermurtal nach 58 und wird ergänzt durch Funde Ernst Gasteigers für dasHeimatmuseum der Stadt Murau 59. Rhamm brachte Einzelnachweise für Unterkärn-ten 60 und Boris Orel fand noch um 1955 im oberen Sann- und Logartal, im Miestalsowie in den Ostkarawanken und im einstigen Seeland( Jezersko) solche selbständigeVorschneidpflüge unter der slowenischen Bezeichnung rezalnica, rezauncaNach meinen eigenen Aufnahmen und Feststellungen kannten die meisten GegendenUnterkärntens und Innerkärntens solche Hilfspflüge, am häufigsten fanden sie sichfreilich im Ringhofgebiet der Nockberge. Hier und in einem weiteren Umkreis warenjedenfalls auch verschiedene Typen solcher Geräte festzustellen, deren Sichtung die nach-folgende Sach- und Beispielreihe erbrachte.
Die Beispiele
usw 61
1. Der Stangenriß: Er besteht aus einem einfachen langen Zugbaum, derdas Reißmesser trägt und nicht selten mit dem Haltestock( habl) hinten in einem Stücknaturgewachsen ist. Dieser endet jedenfalls stets in einen Griffknauf ebenso wie meistauch das vordere Ende des Zugbaumes, das mittels mehrerer( meist zweier) Stemmlöcherfür Rindergespanne wahlweise verstellbar eingerichtet ist. In den Haltestock sind ein
57 H. Koren, Pflug und Arl, S. 221.
58 Ebenda S. 176-179( als Zusammenfassung!).
59 Mag. pharm. Ernst Gasteiger berichtete mir darüber persönlich in einem Brief vom17. 11. 1960 mit Beigabe eines Lichtbildes von 2 solchen Geräten( Näheres dazu siehe unten).60 Karl Rham m, Beiträge II/ 1, S. 987 und Tafel II, Fig. 6.
61 Boris Orel, Ralo na Slovenskem. In: Slovenski Etnograf VIII, Ljubljana 1955,p. 34 f.( Jezersko), 38( Umgebung Solčava/ Sulzbach), 39( Umgebung Luče/ Leutsch), 41( Ljubno/ Laufen, Sanntal), 42( Koprivna/ Koprein und Topla bei Črni potok/ Schwarzenbach),43( Sv. Danijel/ St. Daniel und Jamnica/ Jamnitzen bei Prevalje/ Prävali), 44( Kobansko), 45( Umgebung Pliberk/ Bleiburg in Kärnten), 47( Umgebung Eisenkappel/ Železna Kapla), 47( Zell-Pfarre/ Sele pod Košuto); ebenda XIV, Ljubljana 1961, p. 16( Umgebung Ljubno/ Laufen,Sanntal), 18( Mozirje/ Praßberg, Sanntal), 30( St. Margarethen ob Bleiburg/ Šmarjeta priPliberku), 32( Rosental/ Rož).
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