dem Alpenvorland und dem oberen Murtal einnimmt. Das Wort im Sinne von„ hölzer-nes Gestell auf vier Beinen" 87 veranschaulicht in seiner Übertragung auf unser Dach-gefüge den eingangs genannten Tatbestand eines völlig selbständigen Stützgerüstes fürdas Dach besonders deutlich. Man kennt es ebenso im Salzkammergut wie in der Ober-steiermark; für beide bezeugt es wieder Adalbert Klaar 88, doch fehlen bislang genauereErhebungen auch über diesen Wortgebrauch und seine Verbreitung. Nach eigenen jüng-sten Befragungen nennt man heute im Gebiet von Oberwölz, Judenburg und Obdachauch Dachgerüste mit echtem Sparrengefüge und Rähmzimmerung bei stehenden undsogar bei liegenden Stühlen ,, Bockdachstühle"; und aus der Gegend von Knittelfeld wirdmir die Bezeichnung„ Bockstådl“ für Stallscheunen mit entsprechender Dachzimmerunggemeldet 89.
Nur wenig läßt sich vorerst über die Benennung ,, Hochgerüst“(„ hoahkhrist")im kärntischen Metnitztal sowie über die eigenartige Wortform„ Korast" imGebiet um St. Lambrecht sagen 90. Die erstere könnte jedoch wieder auf die Eigenartdieser aufsteilenden Dachzimmerung hinweisen und scheint jedenfalls aus diesem Um-stand heraus am ehesten erklärlich zu sein. Die relativ kleinräumige Verbreitung und dieauffällige Häufung ganz verschiedener Termini in der örtlichen Sprachüberlieferung fürdas über dem Dachstuhl befindliche, oberste Scheunengeschoß, wie sie zuletzt OttoF. Weber in einer Wortkarte für unseren Raum sehr übersichtlich dargestellt hat 91, gibtjedenfalls zu bedenken, ob dieser Umstand nicht doch mit den sichtlichen Umschichtun-gen und Übergängen gerade im Dachgerüstbau dieses Raumes um Murau zusammen-hängt.
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Anders liegen die Verhältnisse hingegen im obersten steirischen Murtal westlich vonMurau und im Seebachtal, in Krakauebene sowie im ganzen östlichen und mittleren salz-burgischen Lungau. Mit dem sichtlichen Einsetzen von Breitgiebelhäusern und dem altenPfettenstuhlgerüst etwa ab der Linie Laßnitz- Murau Ranten tritt zugleich einedurchwegs andere Terminologie für dasselbe, ebenso aber auch für den obersten Scheu-nenraum der Tennreite auf. Die letztere nennt man„ Hille"(„ hüln“,„ hü: n") oder,, Hildern"( ,, hüda: n") 92, einen Zwischenboden darunter fallweise auch„ Pograt" 93. Dashier besonders ausgeprägte Pfettenstuhlgerüst des Daches bezeichnet man hingegen nachunseren jüngsten Abfragungen 94 mit dem Simplex ,, Stuhl"( schtuel",„, schtui"). Nungilt aber ,, Stuhl" im westlichen Lungau, wie bereits Otto F. Webers Wortkarte zeigt, undzwar im Zederhaustal sowie im Murwinkel um St. Michael im Lungau ebenso wie im
87 Grimm, J. u. W.: Deutsches Wörterbuch II, Leipzig 1860, Sp. 204 s. v. Bock 10);Paul, Hermann, Deutsches Wörterbuch, 5. Aufl. v. Werner Betz, Tübingen( 1957),S. 107 s. v. Bock.
88 Siehe Anm. 79 oben.
89 Nach einer freundlichen Mitteilung von Dr. Sepp Walter in Graz, Februar 1976.90 Zu ,, Korast"= Oberster Dachraum der Scheune, Tennreite vgl. Weber, Otto F.: Bei-träge zu einer Dialektgeographie( wie Anm. 71), S. 169, Karte 2. Eine klärende Untersuchungdieser eigenartigen Sinngleichen in der Mundart nach Herkunft und Bedeutungsgeschichte fehltmeines Wissens bisher noch.
91 Weber, Otto F.: Beiträge( wie Anm. 71), S. 169, Karte 2.
92 Bünker, J. R.: Dorffluren und Bauernhäuser der Gegend von Murau. MAG 43( Wien 1913), S. 35, 43, 49, 65; derselbe: Dorffluren u. Bauernhäuser im Lungau. Ebenda, 39( Wien 1909), S. 33, 39; vgl. jetzt Weber, Otto F.: Beiträge( wie Anm. 71), S. 157 f. und 164,169 mit Karte 2.
93 Bünker, J. R.: Lungau( wie Anm. 92), S. 183, 187 und 193. Vgl. ferner unser Bei-spiel 3.3 oben von der Stallscheune aus der Karchau.
94 Eigene Befragungen am 7. und 8. Feber 1976: in Unterbergen b. Mariapfarr im Lungau,Zimmermeister Andreas Wieland, vulgo Grillhofer, 74 Jahre; Zimmermann Franz Moser,63 Jahre, in Stadl a. d. Mur; Zimmermann Josef Kammerer, vulgo Krapfl, 65 Jahre, in Ratsch-feld bei Ranten ob Murau.
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