fangenen Firstsäulen" dieser Firststühle und den Firstpfetten scheinen mir auch die an-geblatteten, durchlaufenden„, Steigbänder" noch deutliche Leitmerkmale für das Herein-wirken von Traditionen zu sein, die mit dem Ständerpfettendach( B/ III) zusammen-hängen. Ebenso weist der Zimmerungsstil in seiner Sorgfalt und formalen Gestaltungeindeutig auf gemeinbairische Traditionen hin, die bekanntlich um 1800 in den Alpen-ländern wie in Oberbayern gerade im Ständerbau und in der sogenannten„, Bundwerk-technik" einen Höhepunkt an Aufwand und zierhafter Verformung bis hinein in dieNagelung der Hölzer erreicht hatten 53.
Unter den bislang vorgeführten Dachgerüsten entspricht offensichtlich das Beispielaus Gnoppnitz( 1.2) einer noch wenig entwickelten Stufe dieser Gefügeart; dafür sprichtauch die Anlage der Hochtenne ohne Ausnützung der Möglichkeit einer Drempelzim-merung. Hier scheinen nicht zünftische Zimmerleute beteiligt gewesen zu sein; auchwenn das Dachgerüst dieser sehr alten und hoch liegenden Bergscheune nachträglicherneuert worden wäre, so erfolgte dies in einfachster Form und nach einem System, daseher die frühe Entwicklung in dieser Art des Dachaufbaues erkennen läßt. Das Beispielaus dem Gailtal( 1,1) ist mit 1860 datiert und dürfte der Spätentwicklung zuzurechnensein, auch in der Gefügeausbildung. Zu beachten wird jedoch sein, daß in diesem Bereichdie Kranzzimmerung des Pfettenstuhldaches noch durch einen eigenen Firststuhl mitFirstpfette ergänzt wird, was hier offensichtlich bedingt ist durch eine verhältnismäßiggeringe Aufsteilung der Dächer, was jedoch auch, wie bei dem Beispiel aus Göriach( 1.3)ersichtlich ist, bei Steildächern beibehalten wurde, die sonst diese Gerüstzimmerung insorgfältiger Ausführung durch Berufszimmerleute um 1801 aufweisen.
2. Pfettenstuhldächer ohne Firstpfette( eigentliche Pfettenstuhldächer)
Im Umkreis des Lurnfeldes in Oberkärnten stoßen wir nun in den Altbauschichtenin der Mehrzahl bereits auf Dachbauweisen und Gerüstformen, die keinen Firststuhlmehr aufweisen. An ihnen wird die wesentliche, tragende Funktion solcher Stühle mitKranzzimmerung ganz deutlich erkennbar und tritt zugleich der Charakter des liegendenbzw. hängenden Ständerpfettendaches( nach B/ III) gegenüber dem des reinen Pfetten-stuhldaches( nach B/ IV) sichtlich zurück. Man wird daher diese Art von Dachsystemenvon den übrigen Pfettendächern( nach B/ III) doch wohl genauer absetzen und unter-scheiden und als eigentliche Pfettenstuhldächer gelten lassen müssen. Für sie sollen diefolgenden Aufmaßskizzen die notwendigen Einzelheiten darbieten und zugleich auchderen gefügemäßigen Eigencharakter verdeutlichen. Seit dem Zweiten Weltkrieg konnteihre Verbreitung in letzten Resten noch an den Rändern des Lurnfeldes und Millstätter-See- Gebietes ermittelt werden. Ungleich häufiger und regelmäßiger fand sich diese Dach-bauweise im ganzen Liesertalbereich, und zwar zunehmend in Richtung auf das Katsch-tal, so daß sich unverkennbar die Verbindung mit dem salzburgischen Lungau und denanschließenden Gebieten der Obersteiermark ergab, für die Einzelbeispiele im folgendengenügen mögen, um die weitere Ausdehnung dieser Dachlandschaft im südlichen Teil derOstalpen auszuweisen und abzurunden.
2.1. Nigglai, Gemeinde Sachsenburg, oberes Drautal:Ehemaliger Hof vulgo Mitterer Nr. 5; Stallscheune( ,, Stådl"), undatierter Blockbau ver-mutlich aus dem 18. Jahrhundert. Das Futterhaus ist der Restbestand des einstigenStreuhofes in verkehrsferner, hoher Berglage und gehörte zur Zeit der Bauaufnahmen imNovember 1945 zur Rohrerhube in Nigglai Nr. 4.
53 Gebhard, Torsten: Der Bauernhof in Bayern( wie Anm. 52), Text bei Abb. 202, stelltu. a. fest:„ In den dreißiger und vierziger Jahren( des 19. Jahrhunderts) feierte das Zimmer-mannshandwerk in Südostbayern einen letzten Triumph."
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