Auch hier handelt es sich um eine alpine Längsscheune 54, deren Obergeschoß durchQuerwände in drei Joche unterteilt ist. Diese inneren Zwischenwände sind nun beider-seits der Tenne nach Art von Kegelwänden verkürzt, nur ihre obersten Balken stoßen zuden Tennwänden vor und sind hier mit Brustzapfen in die Stuhlsäulen eingelassen, wäh-rend die Stuhlsäulen selbst bis zu den Tennschwellen hinabreichen. Die Stuhlgebindeüber den durchlaufenden äußeren Giebelwänden haben dagegen kürzere Stuhlsäulen( siehe Abb. 16, Fig. 1). Im übrigen zeigt sich beim Pfettenstuhl sowohl im Gefüge undZuschnitt wie in der Sorgfalt der Zimmerung mit doppelten Kopfbändern, Steigbändernund Nagelvorköpfen ähnlich wie beim Stadel von Göriach( 1.3) wieder die Hand desBerufszimmermannes. Etwas abweichend ist hier allerdings das Gefüge der Kranzhölzerdes Pfettenstuhles. Diese sind in jedem Gebinde mit einfachen Stuhlriegeln abgebunden,doch wurden die oberen Pfetten um die halbe Holzstärke nach innen versetzt, so daß dieDachrofen auf beiden Kranzhölzern( Pfetten) aufliegen. Dazu hat man außerhalb derGebindeebenen nochmals drei einzelne Riegelbalken auf die Stuhlpfetten aufgekämmt,um so die Querversteifung des Stuhles zu verstärken und die Kranzhölzer gegen Ver-drehung etwas zu sichern. Bei bündiger Abzimmerung des Stuhlkranzes war sonst einesolche Vorkehrung sehr selten zu finden. Die Fußpfetten bestanden hier aus kräftigen,kantig behauenen und quergelagerten Balken( 26 X 20 cm). In diese waren die Rofen-füße mit geradem Fersenabsatz eingesetzt und mit einem Holznagel angeschlagen( Abb. 16, Fig. 1a). Die Rofenhölzer waren nur wenig behauene Rundhölzer, die amFirst miteinander roh verblattet und mittels eines Holznagels verbunden waren( Abb. 16,Fig. 1b). Der Pfettenstuhl hatte eine lichte Gesamthöhe von 3,45 m, ragte über die Fuß-pfetten noch 2,15 m auf und ergab damit ein genau im Winkel" abgebundenes Dachohne Firstpfette, das mit holzgenagelten Brettschindeln gedeckt war. Nach seinem ein-heitlichen Gefüge wird man diesen Bau wohl der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundertszuweisen können.
2.2. Göriach, Gemeinde Pusarnitz, Lurnfeld: Hof vulgoWalker Nr. 14; Stallscheune( ,, Stådl“), sehr alter, aber nicht datierter Blockbau, vermut-lich aus dem 17. Jahrhundert. Der auch im Stallgeschoß noch ursprünglich erhalteneBau entspricht dem Typus der alpinen Längsscheune mit Krippenstall 55 und wurde vonmir im Oktober 1945 vermessen( Abb. 16, Fig. 2). Im Aufbau des Scheunenobergeschossesmit drei Jochen und des Dachwerkes gleicht er zunächst dem vorigen Scheunenbau ausNigglai( 2.1). Indessen waren hier der Stuhlkranz einfach und normal abgezimmert unddie Stuhlsäulen in allen vier Gebinden auf die obersten Blockbalken der Querwände ge-stellt; sie hatten daher nur eine Höhe von rund 2 m. Wieder finden wir„ Steigbänder"und einfache, angeblattete Kopfbänder an den Stuhlsäulen sowie kräftige Rundhölzerals Standrofen mit eingesetzter Ferse und roher Verblattung samt Nagel am First( Abb. 16, Fig. 2 a und b). Auf dem Aufnahmeblatt vom Oktober 1945 habe ich mireigens notiert: ,, Satteldach starke Scherenbäume( 15-18 cm) Dach vielleichtjünger als der Wandbau!" Es könnte somit auch hier der Dachaufbau erst aus der Mitteoder zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Im übrigen war der Stadel in seinerbergseitigen Hälfte über dem alten Pfettenstuhl mit neueren Schersparren eingedecktworden, die kantig behauen und am First verkämmt waren( vgl. Abb. 11 A) und überdem Stuhl noch von einem Scherenbinder zusammengehalten wurden. Damit zeigt sichim Gefüge bereits der Übergang zu einer anderen Dachbauweise an, die für die Scheren-dächer in den östlich anschließenden Landschaften kennzeichnend ist. Als ein Beispieldieses stufenlosen Überganges vom Pfettenstuhldach zu den Scherendächern Inner-
54 Vgl. Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), S. 95 ff.; ebenda Abb. 22 eineGesamtansicht dieser Scheune aus Nigglai ob Sachsenburg.
55 Vgl. Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), S. 98 f.
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