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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
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mäßig wiederkehrende Übergangsform in der Dachbauweise vom Blockpfettendach( nach B/ I/ 2), Blockständerpfettendach( B/ I/ 3) oder Ständerpfettendach( nach B/ III/2-3) zum Pfettenstuhldach mit Kranzzimmerung und aufgesetzten Mittelsäulen mit First-pfette( siehe Abb. 15). Diese Zimmerungsart wird mit stark verkürzten Stuhlsäulen auchbei den flachgeneigten Dächern beispielsweise im Lesachtal sehr häufig angewendet, wiewir etwa an dem Gerüstbeispiel eines Stallscheunendaches aus Moos bei Maria Luggauoben Abb. 6, Fig. 1, deutlich ersehen können, das bereits aus einer rein alpinen Haus-landschaft westlich der vorhin erwähnten Flachdachgrenze stammt 46. Östlich dieserGrenze sind nun bei Altbauten sowohl im oberen Gailtal wie im nördlich anschließendenoberen Drautal und mittleren Mölltal Dachaufbauten festzustellen, die nach dem glei-chen System abgezimmert sind, nur sind hier die Säulen der Pfettenstühle voll ausge-bildet und dadurch die Dächer bereits deutlich aufgesteilt. Wir bringen dafür je einBeispiel für das Gailtal, das obere Drautal und das Lurnfeld am Eingang in das Mölltal( Abb. 15, Fig. 1-3).

1.1. Unter Döbernitzen, Gemeinde Kirchbach im Gail-tal: Haus Nr. 3, vulgo Jochum. Der Ort liegt südlich von Treßdorf imGailtal und hatte bis vor kurzem mehrere sehr alte Bauernhäuser aufzuweisen 47. Auchdas Jochum- Haus entstammt in seinen vorwiegend gemauerten Partien allem Anscheinenach dem frühen 17. oder sogar dem 16. Jahrhundert. Es ist ein zweigeschossiger Bau,der Wohnung( mit Rauchküche) und Stallscheune unter einem durchgehenden First ver-einigt und im gesamten Wohntrakt wie im anschließenden Stalltrakt mit Steinmauernerrichtet wurde. Das Haus dient jetzt nur noch als Austragwohnung und wurde daher inden letzten Jahrzehnten nur notdürftig instandgehalten; sein Wirtschaftstrakt ist demVerfall preisgegeben. Nach einer Bauinschrift über dem Scheunentor im Südgiebel müssenjedoch der aufwendig gezimmerte Bundwerkaufbau des Scheunenobergeschosses( ,, Mar-hofs") 48 sowie das gesamte Dachwerk des Gebäudes im Jahre 1860 durch einen gewissenGeorg Buchacher, einen Vorfahren der heutigen letzten Inwohnerinnen, nach Ankauf derJochum- Hube erneuert worden sein.

Beide Haushälften weisen ein einheitliches Dachgerüst auf( Abb. 15, Fig. 1), dassich in seiner Länge über vier Joche erstreckt und ursprünglich breitscharig mit ge-nagelten Brettschindeln und mit Schopfwalmen" an beiden Giebelseiten eingedecktwar. An den Dachschräghölzern der beiden Haushälften zeigen sich indessen gewisseUnterschiede: Über dem Scheunenteil bestehen diese aus unbehauenen, kräftigen Rund-hölzern, die ganz nach Art von Rofen mit ihrem vollen Zopfende paarweise über derFirstpfette zusammengeschoben und mit einem langen Holznagel lediglich roh und unbe-hauen verbunden sind( nach Abb. 8, Fig. 6). Über dem Wohntrakt sind diese dagegenwaldkantig behauen, am First mit scharfkantigem Zuschnitt verblattet und durch einenHolznagel verbunden( Abb. 8, Fig. 9 a). Die beiden Dachflächen sind mäßig steil undbilden am First einen Winkel, der ganz beträchtlich über 90 Grad anzeigt; in der Spracheunserer Zimmerleute würde man sagen, das Dach ist ,, weit unterm Winkel" abgebunden,d. h. sein First liegt bei einer Gesamtspannweite von 13,20 m rund 1,50 m tiefer als derideale, für Innerkärnten übliche Dachscheitel, bei dem sich die beiden Dachflächen imrechten Winkel oder knapp darunter treffen. Die Rofenpaare sind in die Fußpfetten( ,, Mauerbänke") mit Ferse eingesetzt und genagelt( nach Abb. 9, Fig. 9). Auf den Stuhl-

46 Vgl. die Übersicht bei Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), S. 59, Abb. 10.47 Vgl. Moser, Oskar: Verwahrorte und Geheimfächer im alten Kärntner Bauernhaus.In: Die Kärntner Landsmannschaft, Jgg. 1971, Nr. 3, S. 1 ff.

48 Die Bezeichnung Marhof" für das Hauptwirtschaftsgebäude oder Futterhaus ist inden Tälern Oberkärntens sehr verbreitet, aber leider noch nicht näher untersucht; damit wäre,, mārstadel" im obersteir. Mürztal zu vergleichen, dazu Rhamm, Karl: Beitr. II/ 1( wieAnm. 4), S. 924.

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