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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
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Dachgefüges beigegeben, die in diesem Fall jedoch ähnlich wie bei den bisherigenErläuterungen und Zeichenskizzen( Abb. 1-14)-- nur einem angenäherten Maßstabfolgen und somit in ihren Maßverhältnissen keinen Vergleichswert besitzen.

Die in der Folge dargebotenen Aufmaßbeispiele repräsentieren heute bereits Alt-formen von Dachgerüsten aus Oberkärnten, dem salzburgischen Lungau, dem steirischenMurtal westlich der Linie Neumarkt- Scheifling- Oberwölz sowie aus dem kärnti-schen Metnitztal. Eine Nachbegehung der meisten dieser Landschaftsräume in denJahren 1974/75 hat ergeben, daß die noch innerhalb der letzten vier Jahrzehnte relativzahlreich und dicht vorhandenen Dachaufbauten, wie sie unsere Beispiele darstellen,radikal abgenommen haben oder bereits völlig verschwunden sind. Das ist in erster Liniewohl eine Folge des Verschwindens und Abkommens der alten Weichdächer( Nagelschindeldächer), die vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg und aus ökonomischenGründen selbst in höchsten Berglagen abgebaut und durch moderne Dachmaterialienersetzt worden sind. Dabei hat man fast immer auch das herkömmliche Dachgerüst abge-tragen und durch moderne, holzsparende Gerüstkonstruktionen ersetzt. Während alsobei den älteren Weichdächern das Um- oder Neudecken kaum und nur selten auf dasDachgerüst verändernd zurückwirkte, dieses also in seiner Struktur wesentlich konstanterwar als Dachhaut und Dachform, bewirken Änderungen im Dachmaterial, vor allem derÜbergang zu den viel schwereren Hartdächern, auch einen radikalen Wandel in derGesamtstruktur der Dachaufbauten. Hier wird für uns ein Zugzwang sichtbar, dergleichsam von außen nach innen wirkt und kennzeichnend für den radikalen Sachwandelvon heute ist.

Dennoch erweisen sich die Dachgerüste mit ihrem Gefüge beim Hausbau als beson-ders traditionsfest und halten vielfach ,, entwicklungsgeschichtlich den ältesten Gefüge-zustand fest" 44. Vor allem in älterer Zeit zeigte sich ja vielmehr die auch von RichardSchlegel hervorgehobene Tendenz, wonach der Ersatz der alten Bauweisen bekanntlichvon unten nach oben" fortschreitet 45. Es gilt also die Tatsache festzuhalten, daß inner-halb des Hausganzen wichtige Partien dem zeitlichen Wandel unterliegen und ausge-wechselt werden können. Auf diese Art verlieren Bauten Strukturmerkmale von elemen-tarer Wichtigkeit für ihren Gesamtaufbau. Unter anderem erweist sich so das alte mäch-tige Breitgiebelhaus der hier zu betrachtenden Hauslandschaften, das in diesen vielfachein hochentwickelter Mehrzweckbau für Wohnen und Wirtschaften unter einem Firstwar, erst unter der Voraussetzung der raumgreifenden Pfettenstuhldächer mit aufsteilen-der Kranzzimmerung als bauliche Einheit und als Ganzes verständlich. Auch untersolchen Gesichtspunkten erscheint es also notwendig und wünschenswert, die älteren,nunmehr rasch außer Gebrauch kommenden Dachbauweisen aufzuzeigen und festzu-halten. Dabei sollen nicht nur Wohnbauten, sondern auch in größerer Zahl Groß-wirtschaftsbauten( Stallscheunen) herangezogen werden; letztere nicht zuletzt deshalb,weil gerade sie vielfach klarer überschaubare und ungestörte, eindeutige Gerüstverhält-nisse zeigen.

1. Pfettenstuhldächer mit Firstpfette

Für das südwestlichste Vorfeld der alpinen Flachdachgrenze in Oberkärnten ergibteine Durchsicht aller mir erreichbaren Bauaufnahmen zunächst eine ziemlich regel-

44 Schlegel, Richard- Conrad, Kurt: Lamprechtshausener Dreieck( wie Anm. 42),

S. 618.

45 Ebenda, S. 618: Der Ersatz der alten Bauweisen geht ja bekanntlich von unten nachoben, d. h. das Erdgeschoß zeigt in Bauweise und Baustoff die jüngste Stufe( z. B. Steinbau), dasObergeschoß bewahrt die ursprüngliche Wandform des Erdgeschosses( Blockbau) und die Wanddes Giebeldreiecks( z. B. verschaltes Ständerwerk) erinnert an den altbairischen Ständerbau."

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